Counter

Das Weltall in den Legenden der Ureinwohner

Aus AustralienWiki
Wechseln zu: Navigation, Suche

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Das Land ist für die Ureinwohner der Mittelpunkt des Universums und im Auftrag der Vorfahren und Urzeitgeister verwalten sie dieses. Zauber und Magie sind und waren Teil des Glaubens des Aboriginal People. In ihren Augen kamen die Ahnenwesen (oder Geister oder spirituelle Wesen) aus dem Erdinneren oder aus dem All, um auf der Erde das Leben zu sichern und zu koordinieren. In der Artuni Story habe ich erzählt, dass nach Meinung der Ureinwohner die sieben Schwestern auf die Erde kamen, um den Menschen das universelle recht beizubringen.

Es ist nicht verwunderlich, wenn die Legenden der Traumzeit sich also auch mit den Naturphänomen beschäftigten und deren Entstehung zu erklären versuchten.

Wieder sind die folgenden Geschichten von verschiedenen Stämmen. Sie sind nicht allgemeingültig für alle Stämme, da es nie eine einheitliche Sprache oder Kultur gegeben hat. Es gibt jedoch viele Ähnlichkeiten und Parallelen.

Die Sonnen-Frau und der Mond-Mann

Sonnenuntergang im Kakadu Nationalpark

Das Leben war schwer für die Aborigines, als die Welt noch jung war, denn sie hatten weder Licht noch Wärme. Sie mussten im Dunkeln jagen und ihre Beute roh essen.

Eines Tages, als Purukupali (der erste Mann auf der Welt) und sein Freund Japara zwei Stöcke aneinander rieben, nur so, um zu sehen was passieren würde, entdeckten sie zufällig die Kunst des Feuermachens. Purukupali erkannte sofort die überwältigende Bedeutung dieser Entdeckung. Er hatte etwas gefunden, was die Dunkelheit vertreiben, Wärme spenden kann und zum Kochen der Beute dienlich war. So gab er seiner Schwester Wuriupranala ein großes Stück brennender Baumrinde und seinem Freund Japara gab er ein kleineres Stück und sagte zu ihnen, dass egal was passiert, sie dürften dieses Feuer nie ausgehen lassen.

Als das Entstehungszeitalter zu einem Ende kam und die mythischen Gestalten sich in Lebewesen, Pflanzen und Naturgewalten verwandelten wurde Wuriupranala zur Sonnen-Frau und Japara zum Mond-Mann.

So ist es, dass morgens wenn die Sonnen-Frau im Osten aufsteht mit ihrer brennenden Fackel aus Baumrinde, dass die Aborigines ihre Lager verlassen und Nahrung suchen gehen. Wenn mittags die Sonne den Höchststand erreicht und Wuriupranala ein Feuer macht um ihr Essen zu kochen wird es so heiß, dass alle im Schatten ruhen. Nachmittags wenn Wuriupranala gegessen hat, setzten sie ihre Suche fort, bis die Sonnen-Frau hinter dem westlichen Horizont verschwunden ist. Es kommt dann die Zeit wo Japara, der Mond-Mann, mit seiner kleineren Fackel seine Reise über den Himmel macht, um der Nacht ein Licht zu geben.

Wie die Sonne entstanden ist

Der Morgenstern (Planet Venus)
Der Kookaburra

In der frühesten Zeit gab es am Himmel nur den Mond und die Sterne und auf der Erde nur Vögel und andere Tiere. Aber noch keine Menschen. Der Emu Dinewan und seine Gefährtin Brogla hatten in der Nähe von Murrumbidgee einen heftigen Streit miteinander, und vor lauter Wut schleuderte Brogla mit aller Kraft ein riesiges Ei aus Dinewans Nest in Richtung Himmel. Das zerbrach dort oben auf einem Haufen Holzfeuer, der sich entzündete und die Welt erhellte. Alle Geschöpfe der Welt waren erstaunt und geblendet von der Helligkeit und Schönheit der Welt. Ein guter Geist im Himmel entschied sich deshalb, jeden Tag so ein Feuer zu entfachen. Mit Hilfe von anderen Geistern wurde jede Nacht Holz für das Feuer gesammelt und am Ende der Nacht der Morgenstern als Bote für das baldige Entzünden des Feuers ausgesandt.

Mit der Zeit fanden die Geister, dass diese Art von Ankündigung nicht ausreicht, da die Schlafenden nicht sehen. Jemand in der Dämmerung sollte Lärm machen. Lange überlegten die Geister, wer diese Aufgabe übernehmen könnte, bis sie eines Abends das wie Gelächter klingende Schreien des Kookaburras (in der Aboriginesprache Goo-goor-gaga genannt) hörten. Dieses Gelächter war genau richtig, und der Kookaburra erhielt den Auftrag jeden Morgen vor Sonnenaufgang mit seinem Gelächter die Schlafenden zu wecken. Falls er dies nicht mehr tun sollte, drohten die Geister damit kein Sonnenfeuer mehr zu entzünden und die Welt im Dämmerzustand zu belassen. Aber der Kookaburra war und ist auch heute noch bereit das Licht der Welt zu retten und so erhallt jeden Morgen das laute Geschrei des Eisvogels durch die weiten Lüfte Australiens: "Goo goor gaga, goo goor gaga, goo goor gaga!"

Die Geschichte beschreibt, wie die Götter jeden Morgen das Feuer entfachen, wie das kleine Feuer zu einem lodernden Feuer wird und sengende Hitze verbreitet, bis hin zum Abend, an dem nur noch die rote Glut übrig ist, die schnell erlischt und am nächsten Morgen beim Schrei des Kookaburras wieder von neuem entfacht wird.

Die Herkunft des Feuers

Erzählt von den Stämmen an der Nordwestküste Australiens.

Das Feuer kam vom Himmel, wo zwei Brüder Kanbi und Jitabidi, nahe dem Kreuz des Südens, am Himmel lebten. Zu diesem Zeitpunkt gab es sonst nirgends im Universum Feuer.

Als aber Nahrung knapp wurde in der Himmelwelt gingen Kanbi und Jitabidi zur Erde hinab und brachten ihre Feuerstöcke mit. Sie errichteten ein Lager, legten ihre Feuerstöcke auf den Boden und gingen auf die Jagd nach Opposum.

Die Beiden blieben sehr lange weg und die Feuerstöcke fingen an sich zu langweilen. So fingen sie an miteinander zu spielen im Geäst eines Baumes und im Gras. Das hatte zur Folge, dass sie ein Buschfeuer entfachten.

Als die beiden Brüder den Rauch sahen, gingen sie sofort zurück zu ihrem Lager, fingen die Feuerstöcke ein und brachten sie wieder an ihrem Platz in der Himmelwelt zurück.

Es geschah, dass eine Gruppe von Aborigines dieses Buschfeuer gesehen und auch dessen Wärme gespürt hatte. Sie verstanden den Wert, welches dieses neue Element haben konnte sofort und nahmen einen brennenden Ast mit in ihr Lager. Seit jener Zeit haben jetzt alle Aborigines Feuer, was früher nur den Brüdern vom Kreuz des Südens gehört hat.

Gosse Bluff und der Morgenstern und der Abendstern

Wolfe Creek Crater in Westaustralien

Ich kann mir sehr anschaulich die Überraschung von Ernest Giles 1872 vorstellen, als er den Krater entdeckte. Ob er ihn auch nach Harry Gosse, einen Wissenschaftler, ebenfalls aus der Royal Society, genannt hätte, in der Kenntnis, dass dessen Bruder William ihm ein Jahr später bei der Besteigung und Namensnennung des Uluru zuvorkam?

Unbestritten ist, dass Gosse Bluff der am besten wissenschaftlich untersuchte Krater in DU ist. Doch der größte ist er nicht. Das ist der Wolf Creek, der rund 130 Kilometer südlich von Halls Creek liegt und vor 300 Tausend Jahren entstand. Natürlich ist auch der eine heilige Stätte für die Djaru, wie der Stamm der einheimischen Ureinwohner heißt. Diesen Krater hat nach den Legenden der Ureinwohner eine der zwei Regenbogenschlangen, die die Wüste durchquerten, geschaffen.

Da haben allerdings die West Arrernte (auch Arrerente Aranda oder Arunta genannt) eine andere Deutung für ihren Krater:

In der Traumzeit tanzte eine Gruppe von Frauen am Himmel. So wurden die Sterne geformt. Beim Tanz verlor eine der Frauen, die schwanger war, ihr Baby, dass auf die Erde fiel und den Krater verursachte. Seine Fruchtblase aber rettet ihm das Leben. Jeden Morgen schaut der Vater als Morgenstern, und jeden Abend die Mutter als Abendstern nach dem Kind.

Eine andere Version beschreibt, dass die Mutter ihr Baby in einer Holzschale an Rand der Tanzfläche ablegte. In einer Holzschale, einer Tnorala. Aus Versehen stieß jemand beim ausgelassenen Tanz gegen die Schale. Und das Kind stürzte auf die Erde. Und die Schale fiel auf das Kind. So sehen die Ureinwohner im Kraterrand auch den Rand der Holzschale.

Die Tnorala Story

Es wird von den Wissenschaftlern vermutet, dass damals ein Meteoritenschauer über die Gegend um Alice Springs herunter gekommen ist. Dafür sprechen weitere Krater nordöstlich und südlich von The Alice und viele gefundene Meteoritenfragmente.

Im Krater, im Reserve, befinden sich heute Parkplätze, Picknickplätze, Toiletten. Und mehrere Informationstafeln, die die Geschichte von Tnorala erzählen. So auch, warum hier niemand siedelt, warum hier keine Campingerlaubnis gegeben wird.

Früher gab es in Tnorala eine Wohnstätte der Ureinwohner. Als ein Jäger des Stammen eines Tages von der Känguru Jagd zurückkam, fand er alle Mitglieder seines Stammes erschlagen.

Er wusste sofort, dass dies nur ein Kateischa Mann gewesen sein konnte. Mit Hilfe seiner Verwandten, die in den Bergen um Tnorala lebten, gelang es den Mörder zu fangen und zu töten. Seitdem darf niemand mehr in Tnorala siedeln, geschweige denn zu übernachten. Sonst könnte der Geist des Kateischa Mannes wieder zum Leben erweckt, sein blutiges Tun fortsetzten. Der Ort wurde zum Sorry Place.

Woher Gesänge, Tänze und Gesetze kommen

Korkbaum

Immer wieder wird von Ahnenwesen berichtet, die auf die Erde kommen, um die Menschen zu belehren und ihnen zu helfen.

Vor langer Zeit lebten zwei alte weise Männer, die Gagamaran und Gonbaren genannt wurden und sehr gut waren. Die beiden Männer waren sehr groß, so groß wie ein Korkbaum, und trugen lange Bärte, die bis zu ihren Oberschenkeln reichten. Die beiden Alten entwickelten und fertigten viele Dinge. Sie erfanden den Yona-Gesang und den Garamede-Tanz, die in den Beschneidungsfeiern verwendet werden. Sie trugen stets drei Gegenstände bei sich, die sie selbst gefertigt hatten und die nur geweihte Männer sehen und berühren durften: das heilige Schwirrholz Galegoro, das Seelenholz Birnnal und den scharfen Feldspatsplitter D'emare, der bei Beschneidungen verwendet wird. Außerdem besaßen sie den schlechten Stein Yagobanda, der schwarz ist, und den guten Stein Gande, der weiß ist und ebenfalls bei der Beschneidung benutzt wird. Gande und D'emare müssen in einer Hülle aus Papierbaumrinde verborgen gehalten werden, damit keine Uneingeweihten sie je sehen oder berühren können. Gagamaran und Gonbaren wanderten in viele Richtungen und brachten überall, wo sie auf Menschen trafen, das Gesetz, den Yona- Gesang, den Garamede-Tanz und die Sitte der Beschneidung zu den Sippen. Außerdem gaben sie den Menschen die verschiedenen Sprachen.

Jetzt wohnen die beiden Alten im Himmel in den großen Sternennebeln. Manchmal kommen sie zur Erde herab und vollbringen gute Werke. Sie helfen den Menschen, über deren Gebiet sie zu Anbeginn gewandert waren. Sie bestrafen deren Feinde, um deren Gebiet sie Feuer legen. Dann trocknet alles aus. Wasserstellen, Bäume, Gras, alles, und die Feinde finden keine Nahrung mehr. Gagainaran und Gonbaren werden in Träumen gesehen. Sie geben den Träumern, die sie im Busch ergreifen, neue Gesänge und neue Tänze. Dann bringt der Mann die neuen Gesänge und Tänze heim ins Lager, wo er sie den anderen Männer beibringt.

Wie die Menschen in Stämme eingeteilt wurden

Nachdem die Schöpfung der Welt vollendet war, heirateten Brüder und Schwestern und andere nahe Verwandte wahllos untereinander, bis die schlimmen Folgen einer solchen Willkür deutlich zutage traten. Da wurde eine große Versammlung zusammengerufen, doch niemand wußte den rechten Rat. Nach langem Hin und Her wurde beschlossen, den guten Schöpfergeist Muramura um Rat zu bitten. Dieser gebot nach kurzer Überlegung, daß der Stamm in verschiedene Zweige aufgeteilt werden sollte. Jeder Zweig sollte einen Namen von einer anderen Naturerscheinung ableiten, wie Hund, Känguruh, Emu, Regen, Wind und so weiter. Und daß die Angehörigen eines solchen Zweiges zwar mit seiner Erlaubnis miteinander verkehren, aber nicht untereinander heiraten können. Und daß deswegen dem Sohn eines Hundes die Heirat mit einer Tochter eines Hundes verboten sei, aber daß er der Mann einer Beutelratte oder eines Emus sein könnte. Und so war von nun an die erste Frage an einen neuankommenden Fremdling stets: «Welcher Familie gehörst du an?»


Copyright50.png Copyright Hinweis!

Wir danken für die freundliche Unterstützung von Herrn Dr. Dieter Tischendorf, der uns das Textmaterial zur Veröffentlichung hier im Australienwiki zur Verfügung gestellt hat. Eine kleine Übersicht vieler seiner Bücher ist in unserer Linksammlung zu sehen.

Copyright Notice!

Special thanks for the friendly assistance of Mr. Dr. Dieter Tischendorf making this information with his textdocuments available. A small list of many of his books is availavle in our link-collection.


Weiterführende Literatur

Meine Werkzeuge
HELFEN