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Das Volk der Pintubi

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Hinweis

Anm.: Das Volk der Pintubi wird auch Pintupi oder auch Bindibu genannt.

Die wahrscheinlich letzten Steinzeitmenschen

Es war eine Sensation, die von allen großem Medien aufgegriffen, verbreitet und kommentiert wurde. Damals 1957, als man über ein kleines Volk berichtete, das in der Nähe des Lake Mackay, an der Grenze zwischen Western Australia und Northern Territory in der australischen Gibson Wüste, über 1600 Kilometer von der Westküste entfernt, lebte. Und dem es gelungen war, sich bis dahin dem Einfluss der Weißen zu entziehen, da sie tunlichst den Kontakt vermieden hatten. Bis zu ihrer Entdeckung lebten sie glücklich und zufrieden als Nomaden, zogen durch die unendlichen und unwirtlichen Wüsten Westaustraliens. Sie jagten Kängurus, aßen sehr gern Ameisenlarven und verehrten die Götter an zeremoniellen Plätzen, die sie auch in ihren überlieferten Legenden verehren.



Lake Mackay in der Wüste


Die Entdeckung der Pintubi war aber kein Zufall. Ein Stammesmitglied, Tsabaroula, hatte sich 1948 neugierig von seinem Stamm entfernt, um sich die Siedlungen der weißen Männer anzusehen. Heimlich folgte er dem Volk der Walbiri, die schon bei den Weißen lebten,und nur noch ab und zu in den Busch zogen. Tsabaroula wurde von den Weißen aufgenommen und „Nosepeg“, was Nasendübel bedeutet, genannt. Zunehmend war er überzeugt, hier die richte Kultur und Lebensweise gefunden zu haben. Er stellte den „Zauber“ der Weißen über die Ahnen seines Volkes. Als ein Dr. Smith in der Mission herausfand, dass Nosepeg ein Pintubi war, setzte er alles daran, diesen zu überzeugen, eine Expedition zu den Lebensraum des Stammes zu führen. 1957 war Nosepeg dazu bereit.

Spätere Expeditionen um 1963 fanden dort erneut mehrere Menschen, die noch in traditionelle Weise lebten, unverändert wie vor tausenden Jahren. Sie nannten sich Pintubi (oder Bindibu). Wir verdanken es dem Schriftsteller und Filmemacher Bruno Scrobogna, der durch die Freundschaft mit Nosepeg immerhin fünf Jahre bei ihnen, nach der „Domestizierung“, lebte, dass überhaupt Überlieferungen der Legenden und der Lebensweise des Volkes vorliegen. Die Australier hatten nach dem weltweiten Interesse ziemlich schnell begonnen, den Stamm zunächst mit Geschenken zu überhäufen und dann sesshaft in einer Gemeinde anzusiedeln. Eibl-Eibesfeldt (Anm: Ethologe), der ebenfalls einige Wochen bei ihnen lebte, erzählt wie die australische Öffentlichkeit vor „Rührung“ zerfloss, über diese "armen Wilden", die nackt durch die heiße Wüste laufen mussten, um Eidechsen, als Nahrung zu fangen und zu essen. Seine Einschätzung ist wieder einer dieser Beweise, wie Politiker in Down Under Entscheidungen in der Rassenpolitik treffen, ohne den Rat von Ethnologen oder Völkerkundlern einzuholen. Eibl-Eibesfeldt schrieb 1972:

Open bible 01 01.svg  Zitat - Eibl-Eibesfeldt, 1972

Ich studierte entwurzelte Menschen, von Langeweile geplagt, weil sie nicht mehr jagen und sammeln konnten. Auch belastete sie die Tatsache, dass sie von ihrer Stammessitte vorgeschriebene Rituale nicht befolgen konnten, weil die heiligen Stätten viel zu weit entfernt waren. Sie spielten Karten und schoben Dollar-Scheine von Hand zu Hand. Sie hatten ihre Selbständigkeit eingebüßt, ihre Heimat verloren und waren Abhängige der Wohlfahrt geworden. Sie hatten den ersten Schritt getan, der sie letztlich in die Slums der großen Städte führen wird.


Die traditionelle Sprache der Pintubi ist „Pintipi“. Und viele sprechen dabei sogar im Dialekt der Nachbarvölker, wie Warlpiri, Luritja oder auch Pitjantjara. Da besonders die beiden letzten Völker am Uluru leben, wobei uns die Pitjantjara schon unter dem Namen Anangu bekannt sind, ist es verständlich, dass auch in den Legenden der Pintubi der Uluru als ein großes Ei der Regenbogenschlange angesehen wurde, dass durch die Jahrhunderte zwar der Verwitterung anheim gefallen war, aber so vielen Lebewesen Unterschlupf und Nahrung bot.

Englisch steht noch heute für die Pintubi in der Rangreihenfolge an dritter oder vierter Stelle. Obwohl mittlerweile die meisten Bewohner von Kintore, wo heute die Pintubi leben, genügend Englisch verstehen, um Konversationen führen zu können. Viele sprechen nicht nur Englisch sondern können in dieser Sprache sogar schreiben.

Mit der Entdeckung dieser letzten echten Steinzeitmenschen vergab man eine große Chance, die Lebensweise, das Denken und Handeln der Vorfahren zu erkunden. Anstatt sensibel und langsam unter Beibehaltung der bisherigen Lebensweise die Traditionen, die Ordnungen in der Sippe, die Möglichkeiten zur täglichen Versorgung, die Planung und die Regeln der Sippe zu studieren, wurden die „armen Wilden“ mit Geschenken überhäuft, eingekleidet und in die Gemeinde Papunya, nördlich von Alice Springs, gebracht. Das ist eine Aboriginal Community, die 1950 von der australischen Regierung mit Wasserversorgung und Steinhäusern für die nomadisierenden Ureinwohner des Luritja Stammes errichtet wurde.

Papunya, und das muß man wissen, ist aber nur die Fortsetzung der Versuche, die Ureinwohner an weiße Lebensbedingungen zu gewöhnen. Wie es in Hermannsburg und auch in Haast’s Bluff, ursprüngliche Zuteilungsdepots der Regierung, geschah. Und es gab reichlich kriegerische Konfrontationen zwischen den Menschen, die dort lebten, und den noch als Nomaden herumziehenden Ureinwohnern. Ums Wasser ging es auch, wenn die Viehtreiber erbarmungslos die vorhandenen Wasserstellen für ihr Vieh beanspruchten und zum Teil zum Vertrocknen brachten.

Mit Papunya sollte alles besser werden. Als erstes Volk wurde das Luritja People nunmehr ein zweites Mal, noch weiter weg von den zeremoniellen Plätzen und dem ursprünglichen Land, dort angesiedelt.

Tanz von Frauen der Pintubi


Das Leben in der Zivilisation

Pintubi Schädel, der 1905 am Darling River gefunden wurde

Natürlich tat es den Pintubi für eine gewisse Zeit gut, allgemein beachtet und mit Geschenken überhäuft zu werden. Keine täglichen Sorgen über die Ernährung zu haben. Dazu kam noch das Kleiderangebot. Aber so richtig wurden sie eigentlich gar nicht gefragt, ob sie umgesiedelt werden wollten. Es mußte eben sein.

Und da lebten sie nun, zusammen mit den Angehörigen des Luritja Stammen, fast abgeschlossen von der Außenwelt, weit weg von ihrem bisherigen Lebensraum, ein völlig anders, fremdes, ungewohntes Dasein. Als ein traditionelles Aboriginal People waren sie vertraut und gewöhnt an und mit dem Land ihrer Ahnen, mit ihren Traumzeitplätzen, ihren zeremoniellen Stätten zu leben. Sie sehnten sich danach, wieder zurück zu gehen.

Nach neuesten Forschungen soll das Volk der Pintubi immerhin seit 50 Tausend Jahren in ihrer traditionellen Art und Weise gelebt haben. Das unterstützen auch sich allerdings widersprechende Schädel- und Knochenfunde. Noch heute streiten die Wissenschaftler über die zeitliche Zuordnung eines 1905 am unteren Flusslauf des Darling River gefundenen angeblich eindeutigen Pintubi Schädels. Paläoanthropologisches Paradoxon, das ist der Mittelweg, auf dem man sich einigen konnte.

Aber gerade diese Paläoanthropologen schlussfolgerten, dass mit der erzwungen Aufgabe des Nomaden- Steinzeitlebens der letzten Stammesmitglieder der Pintubis (auch Bindaboos genannt), der letzte Beweis und das letzte Beispiel der unveränderten Steinzeitkultur in Australien endete. Die Pintubis waren Menschen mit unglaublichen Fähigkeiten. Sie konnten unter eigentlich für die Menschheit nicht lebensfähigen Umständen existieren. Und ihre Kultur, auf den ersten Blick simple und infantil, stellt sich als eine sehr komplexe und komplizierte Wechselbeziehung und schon Vertrautheit zur Umwelt dar.

Bei Eibl–Eibesfeldt liest sich das Schicksal des Volkes so:

Open bible 01 01.svg  Zitat - Eibl–Eibesfeldt

Die Pintubi erhielten Geschenke und verloren allmählich ihre Furcht. Als Pressemeldungen die Sensation verbreiteten, wuchs in Australiens Menschenfreunden die Überzeugung, daß es nicht gut sein könne, dass da arme Menschen nackt in der Wüste herumliefen und Eidechsen aßen. Den Leuten mußte geholfen werden. Also gab man den Pintubi noch mehr Geschenke, bis sie soviel Vertrauen zu ihren neuen Gönnern gefasst hatten, dass sie deren Vorschlag folgten, die unwirtliche Wüste zu verlassen. Die Pintubi wurden mit Zucker und Tee an Orte gelockt, wo schon andere australische Ureinwohner lebten. Die Behörden bauten ihnen Duschen und Latrinen, Wellblechhäuschen dienten als Unterkünfte. Die Pintubi haben jetzt Kleider, die Alten erhalten sogar Pensionen, und mancher Junger hat einen Job gefunden, in dem er Geld verdienen kann. Mit dem Jagen und Sammeln ist es vorbei, stattdessen kaufen die Pintubi nun Konserven in Läden.


Man könnte glauben, die Welthilfsorganisationen haben die Australier beauftragt, bei den Ureinwohnern der Pintubi so eine Art Generalprobe für Afrika und andere Entwicklungsländer zu machen. Statt ihnen zu einer eigenen Selbständigkeit zu verhelfen werden ja auch diese Völker zu Almosenempfängern degradiert.

Zum Leben im Outback gehört auch eine spezielle, in Jahrtausend erworbene Anpassung des Organismus an die Umwelt. Man hatte eine Gruppe Pintubis nach einem dreijährigen Aufenthalt in der Siedlung im Sommer wieder in die Wüste Zentral Australiens gebracht, um ihre Stoffwechselverhalten während der Sommerhitze zu untersuchen. Außerdem sollte ein Vergleich zu den Ergebnissen, der schon früher untersuchten Nomaden des Nadadjara Volkes und von gleichzeitig untersuchten Europäern erstellt werden. Die Pintubi waren bei dem Teststart nicht so mager wie die Nandadjara, sie hatten einen durchschnittliche höheren Blutdruck und auch deutlich höhere Blutnatriumwerte. Ich will hier die wissenschaftlich sehr interessanten Ergebnisse nicht im Einzelnen aufführen. Nur als Ergebnis so viel:

Die schlechtesten Werte im Wasser- und Elektrolyt Haushalt für ein Überleben in der heißen Wüste hatten die Europäer. Die besten Ergebnisse wies das Volk der nomadisierenden Nandadjara auf. Und drei Jahre so genannte Zivilisation reichten, um bei den Pintubis deutlich schlechtere Werte als ihre Brüder vom Nandadjara Volk zu messen. Das besserte sich mit der Zeit zwar ziemlich. Aber der Wasser- Elektrolyt Haushalt erreichte niemals die günstigen Werte der Nomaden.


Zu dieser „Anpassung an die Zivilisation“ gehören auch die medizinischen Untersuchungen, die beim Pintubi Volk und beim Walbiri Volk, das ebenfalls in Papunya lebte, durchgeführt wurden. Bei beiden Völkern konnten, ebenso wie bei den Ureinwohnern in der Enklave Warburton WA vermehrt Erkrankungen des respiratorischen Systems festgestellt werden. Eigentlich kannten die Ureinwohner vor Ankunft der Weißen Erkrankungen im Atemsystem kaum.

Eine Rückkehr in Etappen

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Lake Mackay aus der Luft

Die Community Papunya wurde allmählich mit immer mehr Ureinwohnern „voll gestopft“. Bald lebten über tausend Menschen dort. Und die Probleme, wie Armut, gesundheitliche Störungen ließen nicht auf sich warten. Die Grippe, eine Erkrankung, die die Ureinwohner nicht kannten, wütete unter den Menschen. Dazu kamen, wie immer bei großen Menschenansammlungen, häufige Konflikte zwischen den Stämmen und sogar innerhalb der Sippen. Die Ureinwohner wurden „zivilisiert“: Die Pintubi erkannten, dass diese Probleme ihr Leben zerstören würden. Und sie waren der Anlass, den Lebensraum wieder mehr nach Westen, nahe dem ehemaligen traditionellen Land zu verlegen. Aber da gab es unerwartet ein zähes Verhandeln mit der Regierung. Nachdem der Umzug in mehreren Außenstationen mit oder ohne Hilfe der Regierung schief ging, kam schließlich Kintore, eine kleine Gemeinde 250 Kilometer westlich von Papunya, ins Gespräch. Hier stimmte alles.

1981 siedelte das Volk der Pintubi in die kleine Gemeinde Kintore, die sie auch Walungurru nannten, um. Man war der alten Heimat näher gekommen. Der Ort schmiegte sich zwischen zwei kulturell bedeutenden Bergen, den Mt. Leisler und den Mt. Strickland, in die Landschaft, die Pulikatjara (zwischen zwei Bergen) genannt wurde. Das war 1981. Und die 530 Kilometer von Alice Springs erlaubten eine vorsichtig wieder beginnende traditionelle Lebensweise. Heute leben in dem Ort 450 Menschen. Aber es gibt noch sieben Außenstationen, wo heute vier bis 15 Ureinwohner leben. Homeland Centre nenne sie ihren Lebensbereich, ihren realen Sippenbereich. In Kintore gibt es eine Schule, eine Frauenzentrum, eine Hospital, mit Doktor und Krankenschwestern, einen Store und ein Kunstzentrum. Regelmäßig kann man vom eigenen Flugfeld nach The Alice fliegen.

Die Stabilität der Gemeinde, der kontinuierliche Aufschwung wird als vorbildlich bezeichnet.

Und hier setzt meine Hochachtung vor den Pintubi ein. Noch bevor die Zivilisation ihren Wunsch zur Eigenständigkeit zerstören konnte, haben sie energisch an einer Variante für die weit möglichste Abgrenzung vor dem weißen Einfluss gearbeitet. Und sie gaben den „Kolonialherren“ auch keinen Anlass, in ihre Lebensweise einzugreifen. Die Gemeinde war gut aufgestellt, die Verwaltung funktionierte. Und Kintore war angeblich alkoholfrei! Außerdem hatten sie wohl Glück mit den weißen Helfern. Nicht jeder Australier, der sich rühmt, in Sachen Ureinwohner helfend gewirkt zu haben, hat die notwendigen Kenntnisse und das entsprechende pädagogische Geschick. Und von denen haben wir die DU eine ganze Reihe kennen gelernt. Alle mittlerweile frustriert und nunmehr auch zu den Vertretern der über 80% Weißen gehörend, die eine schärfere „Gangart“ im Umgang mit dem Aboriginal People fordern.

Im Oktober 1984 wurde eine letzte Sippe des Pintubi Volkes in Alice Springs der Öffentlichkeit vorgestellt. Sie mussten das harte Leben in der Wüste, ohne Kontakt zu ihrem Volk, aufgeben. Nach 25 Jahren hatten sie endlich ihr Volk wieder gefunden.

Eine der Außenstationen, Ngutjul, liegt nahe den roten Bergen. Und auf der vorbeiführende „Strasse“ kann man über Sandy Blight Junction zum Gunbarrel Highway gelangen. Quer durchs Niemandsland.

So bekam die Walungurru (Kintore) Region den Namen: The Territory's Far West Immerhin fährt man zum Ort über sechs Stunden von Alice Springs nach Westen, in die Mitte der Westwüste, dicht an die Grenze zu Western Australia.

In den letzten 40 Jahren hat der Schriftsteller und Filmemacher Bruno Scrobogna das Volk der Pintubi immer wieder besucht, hat Filmaufnahmen gemacht, Bücher über sie geschrieben und sogar fünf Jahre dort mit den Ureinwohnern gelebt. Aber auch diesem sicher anerkannten Mann ist es nicht gelungen, die heilige Stelle Allala, an die er ein Mal mitgenommen wurde, wieder zu finden. Allala ist nach der Legende der Ort, wo einst weiße Riesen vom Himmel gekommen sind, um den Pintubi das "Alte Gesetz" zu übergeben. Jedes Mal, wenn Scrobogna eine Gruppe von Pintubi auf ihrer Wanderung begleitete, hoffte er noch ein Mal Alalla zu finden. „Ich weiß“ schreibt er, „dass einige Pintubi über magische Kräfte verfügen, die das verhindern können.“

Die Pintubi haben 1995 den Gebietsanspruch auf ihr ehemaligen Lebensraum bei der australischen Regierung eingereicht. Und ein sechs Jahre dauerndes Hin und her begann. Dabei ist in diesem Fall eigentlich der Rechtsanspruch auf die 43 Tausend Km² nahe der Grenze zu West Australia relativ einfach nachzuweisen.


Und inzwischen lebten auch schon 170 Ureinwohner in Kiwirrkurra. Diese Gemeinde an der Garry Junction Road liegt 800 Kilometer westlich von Alice Springs in WA und scheint der eigentliche frühere Lebensraum der Pintubi zu sein. 1986 ist damals eine Sippe des Pintubi Volkes nach dort gegangen. Und siedelte im traditionellen Land. Ein Fakt, den eigentlich niemand interessiert hätte, wäre da nicht 2001 ein Hochwasser gekommen, dass die Gemeinde überflutete.

Der Kampf um das Land der Väter

Die 160 Ureinwohner und acht weiße Arbeiter waren nach drei Tagen starkem Regen eingeschlossen. Der kleine Flugplatz konnte nicht mehr benutzt werden. Immerhin brachte ein Hubschrauber eine nierenkranke Frau ins nächste Hospital. Dann aber gab es ein grundlegendes Problem. Der Pintubi Tribal Elder in der Community weigerte sich, einer Evakuierung zuzustimmen. Er lehnte Kintore als vorübergehende Unterkunft ab. „Lieber bleiben wir im überflutenden Gebiet, als in eine Siedlung gebracht zu werden, wo Drogen-, Alkohol- und Benzin Schnüffler Probleme bestehen". Auch die Proteste der Krankenschwester stimmten den Elder nicht um. Die Situation schien zu eskalieren. Infektiöses Material aus den septischen Behältern verunreinigte das Hochwasser. Zinn hatte die Nahrungsmittelreserve dezimiert, der Trinkwasservorrat ging zu Ende und die Generatoren fielen regelmäßig aus.

In dieser kritischen Situation entschied das Verteidigungsministerium einen großen Hubschrauber von Townsville (Queensland) und vier kleine Hubschrauber von Yulara nach Kiwikurru zu schicken, um die Menschen nach Kintore (Walungurru) zu evakuieren. Doch die Menschen lehnten einstimmig ab. „Wir wollen nicht nach Kintore!“ Und dabei blieb es. ,,Wir wollen unsere Stammesmitglieder von Kiwikurru nicht solchen Versuchungen aussetzten“ sagte der Tribal Elder. „Dort laufen zu viele Kinder herum, die Drogen nehmen, Petrol schnüffeln und Alkoholprobleme haben".

Die Kinder der Gemeinde brachte man im Schulgebäude unter, der Vorschlag, Zelte auf einem Hügel zum errichten, war nicht zu realisieren. Schließlich mußte man der Evakuierung aber doch zustimmen. Dies geschah nach Alice Springs und vier Gemeinden in der Region.

Erstmals wurde bei dieser Katastrophe öffentlich von Ureinwohnern die „Verwahrlosung“ der alten Lebensprinzipien in anderen Aboriginal Communities öffentlich gemacht.

Doch die Bewohner kamen schon nach kurzer Zeit nach Kiwikurru zurück. Es gibt nicht wenige Leute in Down under, die sagen dass in diesem Ort die letzte Sippe lebt, die die alten Gesetze wirklich einhält.

Am 16. Oktober 2001 entschied der Bundesgerichtshof, dass die Forderungen des Pintubi Volkes auf das beantragte Land rechtens sei.

Das ist die Geschichte des sagenhaften Volkes der Pintubi. Ein Volk, dass sich wohl nur deshalb teilweise der Beeinflussung durch die Weißen entziehen konnte, weil die Reservation relativ kurz war, weil inzwischen in Australien andere gesetzliche Regelungen in den Beziehungen zu den Ureinwohnern gelten. Trotzdem halte ich die geschlossene Meinung einer Community wie Kiwikurru für bewundernswert.

Ich kann nur hoffen, dass die Untersuchungen der Regierung den jetzt zurzeit angeprangerten Kindesmissbrauch, Alkoholismus und Pornographie wenigstens bei den Pintubi Communities nicht oder nur in geringem Umfang feststellen wird.

Worte in der Sprache der Pintubi und Luritja für Tiere und Pflanzen

Original Englisch Deutsch
awalyurru native currant Johannisbeere
arrnguli bush plum Busch Pflaume
katjutarri bush potato Busch Kartoffel
kalaya emu Emu
maku witchetty grub Witchetty Made
rumiya goanna Waran
lungata bluetongue lizard Blauzungen Eidechse
tjala honey ant Honig Ameise

Die Mythen des Volkes Pintubi

Der Mythos des Morintji

Nachdem Bruno Scrobogna einige Zeit mit dem Volk der Pintubi verbracht hatte, ging er mit einigen von ihnen zu einem Platz, den sie Morintji nannten. Es war ein Platz dicht neben einem Wasserloch, hinter dem sich ein etwa 15 Meter hoher Felsen erhob, der an die Gestalt einer Frau erinnerte. Am Abend begann einer der Pintubi von einem Mythos einer Riesenfrau zu erzählen. An diesem Ort war dem Mythos zufolge eine Riesenfrau aufgetaucht, um eine Gruppe abtrünniger Wuieis zu bestrafen. Sie sprang breitbeinig und nackt unter die erschrockenen jungen Menschen, die sich vor den Schmerzen der Einweihungszeremonie gefürchtet hatten. Sie waren deshalb an diesen versteckten Platz geflüchtet. Über ihrem Kopf hielt sie den sakralen Arindelba. Über die Bestrafung der Wuieis waren sich die Pintubi nicht einig. Die einen behaupteten die Riesenfrau habe die Abtrünnigen gefressen, aber ein paar andere, die von einem nördlichern Stamm der Pintubi abstammten, sagten sie habe sie in ihre Vagina gestopft, bis auf einen, der sich in einer Felsspalte verkrochen haben soll. Sein Geist soll den jungen Männern noch heute ins Ohr flüstern, sich nicht der schmerzvollen Zeremonie hinzugeben, sondern davonzulaufen. Nach der Bestrafung soll sich die Riesenfrau in den Stein verwandelt haben, der hinter dem Wasserloch steht. Wenn man heute diesen Platz betritt, müssen die acht Totemzeichen mindestens von einer Person vertreten sein.

Maliera - Aus Knaben werden Männer

Maliera findet einmal im Jahr statt, normalerweise im November oder Dezember. Es ist einer der Höhepunkte im Leben der heranwachsenden Pintubi. Jahrelang davor leben die jungen Pintubi völlig abgesondert von ihrem Volk. In dieser Zeit lernen sie mit der Natur umzugehen und die alten Gesetze zu verstehen. Diese Abgeschiedenheit vom Volk soll dazu dienen, sich innerlich zu reinigen. Sie werden darauf vorbereitet, vollwertige Mitglieder der Gemeinschaft zu werden. Dieser Ritus hat allerdings an Bedeutung verloren, da die alten Gesetze mit dem Leben der Pintubi in den Siedlungen der Weißen nicht mehr über Leben und Tod entschieden.

Das Ritual Kunga Tsugurpa - "Mädchen träumen"

Zwei Klanghölzer

Das Werben um Frauen ist bei den Pintubi, wie bei allen Kulturen, keine leichte Aufgabe. Es müssen magisch Formeln benutzt werden, deren Einhaltung genau von den alten Gesetzen vorgeschrieben ist. Schon der kleinste Fehler kann den Tod bedeuten. Ein junger Pintubi muß sich also schon sehr sicher sein, bevor er sich in diese gefährliche Methode des Kunga Tsugurpa hineinwagt. Sein auserwähltes Mädchen muß zudem noch von einem anderen Stamm sein. Da der Pintubi meistens noch zu jung ist, um sich mit dem geheimen Wissen auszukennen, fragt er einen Alten um Rat. Dieser entfernt sich dann mit ihm vom Lager. Sie suchen sich ein abgelegenes Plätzchen um ihre rituellen Handlungen durchzuführen. Es beginnt damit, daß sie die ganze Nacht am Lagerfeuer singen und mit den Boomerangs und Musikhölzern den Gesang unterstützen. So gewinnen sie die Gunst der Geister ohne diese sie das Ritual nicht durchführen können. Während des ganzen Rituals kauen sie Mingulpa. Am ersten Morgengrauen werden unter Anleitung des Alten geheime Zeichen in den Sand gemalt. Diese dienen dazu, die Verbindung zwischen der Welt der Geister, der Auserwählten und ihnen selbst herzustellen. Nachdem der junge Pintubi die ganze Nacht im Schneidersitz verbracht hat springt er nun auf, um den Geistern zu beweisen, daß er diese Frau verdient hat. Dabei schwingt er den Arindelba drei mal um seinen Kopf. In diesem Augenblick wacht das auserwählte Mädchen auf und fühlt, daß sie jemand "träumt". In der nächsten Nacht wiederholen der alte und der junge Pintubi die Rituale vom Vorabend. Diese Nacht wird mit nur zwei Schwüngen des sakralen Schwirrholzes beendet. Das Mädchen träumt in dieser Nacht, dass ein Mann zu ihr kommt und sie berührt. Dieses Mal erkennt sie ihn. Sie weiß nun wer sie umwirbt, erzählt dies aber niemandem weiter. Die dritte und letzte Nacht verläuft wie die beiden zuvor. Das Arindelba wird zum Abschluß nur noch einmal geschwungen. Damit ist das Kunga Tsugurpa beendet. Wenn dann die Sonne aufgeht, läuft der junge Pintubi am Lager der Auserwählten vorbei. Diese erhebt sich wie in Trance und folgt dem Mann. Die beiden bleiben für einige Tage lang allein.

Der Ritus des Katatji - "Der rituelle Töter"

Der Katatji ist einer der gefährlichsten Riten der Pintubi. Jeder, der ihn kennt und einen Grund hat jemanden umzubringen, kann dies tun. Normalerweise wird er nur eingestetzt, wenn eine Person die alten Gesetze nicht beachtet hat und deshalb bestraft werden muss. Der Katatji wird auch der strafende Geist genannt, weil er die uneinsichtigen Menschen bestraft. Versties ein Volksangehöriger also gegen das alte Gesetz konnte es passieren das der Rat der Alten beschloss den Katatji anzurufen. Wenn den Aktionären des Rituals allerdings ein kleiner Fehler unterlief, würde der bestrafende Geist getötet und es würde ein ewiger Fluch über dem Volk der Ankläger liegen. Bei dem Ritual nehmen der Ankläger, einige Freunde des Opfers und der Rat der Alten teil. Sie alle ziehen sich an einen abgelegenen Ort zurück und setzen sich in einen Kreis. Sie beginnen mit dem Todesgesang, in den immer wieder der Name des Opfers eingeflochten ist. Das Singen dauert mehrere Stunden. Danach schneidet sich einer der Beteiligten eine Ader seines Penis auf und bestreicht mit dem heraus spritzenden Blut die wichtigen Gegenstände des Rituals, die zwei Boomerangs, den aus Gras geflochtenen Kranz und den zwanzig Zentimeter langen Knochen, an dem eine Schnur aus Menschenhaar befestigt ist. Der Ankläger, der zum Partner Katatjis wird hält die beiden Bommerangs fest und trägt den Kranz auf seinem Kopf. Nun kommt Katatji, "der Töter", der den Knochen in der Hand hält. Er nimmt den Ankläger auf den Rücken. Dieser wirft den Knochen in die Richtung in der er das Opfer vermutet. Dann hält sich der "Töter" den Unterleib und zeigt die Schmerzen die das Opfer in diesem Moment erleidet. Die Schmerzen des Opfers vergehen schnell wieder, doch es lebt dann isoliert von der Gesellschaft wie in Trance. Es können Tage oder auch Wochen vergehen, bis der "Töter" zu seinem todbringenden Schlag ausholt. Zu dem zweiten Teil des Rituals muß ein bisschen Asche aus dem Feuer des Opfers geklaut werden. Ein junger und ein alter Mann nehmen Blut aus ihrer Armbeuge und vermischen das mit der Asche. Dieser Brei wird als Bindemittel benutzt und der Ankläger kriegt mit Gänsefedern die Zeichen des Töters auf den Körper "geklebt". Der Töter und der Ankläger begeben sich zu dem Opfer während die anderen Mitglieder des Rituals weiter die Todesgesänge singen. Der Töter und der Ankläger würgen das Opfer, so daß dieser Todesängste aussteht. Nach dieser symbolischen Tötung verschwinden der Töter und der Ankläger und die anderen Mitglieder kommen zu dem Opfer. Das Opfer fühlt sich nun gut und erzählt den Mitgliedern von seinen Erlebnissen. Der Ankläger und der Töter gesellen sich für das Opfer unsichtbar zu der Gruppe. Wenn das Opfer anfängt von seinen Verstoßen gegen das Alte Gesetz zu erzählen, werden sie sichtbar. Das Opfer stirbt sofort an einem Herzinfarkt. Katatji hat sein Werk vollbracht.


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Wir danken für die freundliche Unterstützung von Herrn Dr. Dieter Tischendorf, der uns das Textmaterial zur Veröffentlichung hier im Australienwiki zur Verfügung gestellt hat. Eine kleine Übersicht vieler seiner Bücher ist in unserer Linksammlung zu sehen.

Copyright Notice!

Special thanks for the friendly assistance of Mr. Dr. Dieter Tischendorf making this information with his textdocuments available. A small list of many of his books is availavle in our link-collection.


Weiterführende Literatur

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