Stolen Generations

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Stolen Generations - Stimmen aus der australischen Presse

Journey of Healing

Ausschnitt der "Great Australian Clock" am Queen Victoria Building in Sydney

Audrey Kinnear und Helen Moran wurden 1950 und 1960 im Alter von vier und zwei Jahren gewaltsam von ihren Familien getrennt. Sie sind Töchter von Weißen und Aborigines und fanden erst als Erwachsene zu ihren indigenen Wurzeln zurück. Beide Frauen beteiligten sich maßgeblich an der Journey of Healing, einer Tour, die im Mai 1999 in Uluru stattfand und für die Aussöhnung zwischen Weißen und Aborigines steht. Die Idee dazu entstand aus dem Sorry Day von 1998. Helen Moran ist Initiatorin der Journey of Healing, die inzwischen zu einer Bewegung geworden ist, Audrey Kinnear ist die zweite nationale Vorsitzende. Kinnear und Moran schöpfen Kraft aus der Meinung vieler Australier, dass die Existenz der Stolen Generations endlich anerkannt werden muss. Die Versammlungen der Journey of Healing helfen ihnen, besser mit ihrem eigenen Leben fertig zu werden. (The Sydney Morning Herald, von Mark Metherell, 26.05.2000) Eine Aborigine erzählt: Als sie ein Kind war, rieb ihre Mutter ihr die relativ helle Haut mit Ruß ein, damit sie nicht als Halbblut zu erkennen sei, denn alle Kinder aus Mischehen wurden gewaltsam von Beamten der Wohlfahrtsbehörde aus den Familien gerissen. Auch sie selbst traf dieses Schicksal, nachdem ein Beamter den Ruß auf ihrer Haut entdeckt hatte. (The Australian: A thousand stories in the naked country von Amanda Meads, 18.04.2000)

Klage auf Entschädigung

Der heute 50 Jahre alte Peter Gunner ist einer der ersten beiden Aborigines, die vom australischen Commenwealth Entschädigungszahlungen für die gewaltsame Entführung aus ihrer Familie eingeklagt haben. Gunner war damals ungefähr 6 Jahre alt. Seine Mutter ist Aborigine, sein Vater, zu dem er nie Kontakt hatte, Weißer. Gunner wurde ins St. Mary`s Heim für Aborigines in Alice Springs gebracht. Zweimal versuchte er, von dort zu fliehen und zu seiner Familie zurückzukehren. In der ersten Nacht wurde er bestraft, weil er auf dem Boden schlafen wollte. Er hatte noch nie vorher ein Bett gesehen. Mit etwa 14 Jahren brachte man ihn als Arbeiter zu einer Viehstation. Er berichtete, dass er sich die meiste Zeit sehr verloren und einsam fühlte. Zwei Selbstmordversuche waren die Folge. Auch jetzt hat ihn das Gefühl der Einsamkeit nicht verlassen, denn er darf nicht an Stammeszeremonien teilnehmen. Weil er nach St. Mary's verschleppt wurde, war er als Junge nicht initiiert worden.

Bereits zweimal zuvor hatte man versucht, den Jungen zu entführen. Beim ersten Mal konnte er in den Busch fliehen, beim zweiten Mal versteckte seine Tante ihn, indem sie eine Decke über ihn warf und sich darauf setzte. Als er später seine Mutter wiederfand, konnten sie sich nicht miteinander verständigen. Gunnar hatte seine Stammessprache vergessen und sprach nur noch Englisch. Das jedoch verstand seine Mutter nicht. Bei der gerichtlichen Anhörung legte die Anwältin Elizabeth Hollingworth ein Formular vor, unterzeichnet mit einem Daumenabdruck von Gunners Mutter, in dem sie das Aboriginal Affairs Department ersuchte, Gunner in seine Obhut zu nehmen. Er selbst berichtete, eine Cousine habe ihm erzählt, seine Mutter habe ihn auf einem Ameisenhügel ausgesetzt und seine Tante hätte ihn gerettet und aufgezogen. (The Australian: One man`s pain is a nation`s torment von Frank Devine, 17.04.2000)

Kein Bedauern

Harry Kitching hat zwischen 1947 und 1971, als die Zwangsadoption von Aboriginekindern verboten wurde, in einem Heim für Aboriginejungen gearbeitet. Er behauptet, er habe in all diesen Jahren nur 10 Kinder von ihren Familien getrennt, nur in einem Fall gegen den Willen der Mutter. Er zeigt kein Bedauern für seine Rolle im Leben der Stolen Generations. In vielen Fällen würden Aboriginesfrauen von ihren weißen Männern im Stich gelassen und Kinder, die aus Mischehen entstehen, würden von den Stammesältesten nicht anerkannt und nicht in die Traditionen eingeführt, sagte Kitching. Er gibt aber zu, dass es durchaus Menschen gab, die ernsthaft Schaden genommen haben. (Sunday Telegraph, 16.04.2000)

Die Wahrheit über die Stolen Generations

Dass die Regierung Howard sich noch immer weigert, die "Stolen Generations" als Tatsache anzuerkennen und damit die Verantwortung für die Verletzung der Menschenrechte der Aborigines zu übernehmen, hat starke Proteste bei denjenigen zur Folge gehabt, die den Bericht "Bringing Them Home" von Sir Ronald Wilson ohne wenn und aber akzeptiert haben. Darin heißt es, dass zwischen 1910 und 1970 fast ein Drittel aller Kinder aus Mischehen gewaltsam von ihren Müttern getrennt wurden. Der Bericht empfiehlt Entschädigungszahlungen, da die Trennung ungerechtfertigt und die Versorgung der Kinder danach unzureichend war. Sir Ronald ist der Überzeugung, dass der Kindesentzug von Halbblut-Aborigine auf rassistischen Grundlagen beruht und entwickelt wurde, um diese Kinder an die Kultur der Weißen anzupassen. [Anm.: "Vollblut"-Aborigines traute man eine Anpassung an die "überlegene" Kultur der Weißen nicht zu. Ihre Kultur, so glaubte man, war zum Untergang verurteilt. Mischlingen, die ja - zynisch gesagt - zumindest teilweise "weiß" waren, wollte man damals durch Zwangsadoption in ausschließlich weiße Familien eine Überlebenschance eröffnen; vgl. "Stolen Generation" / pogrom 201] Andere Berichte besagen, dass in der Zeit von 194 bis 1962 im Northern Territory zwischen 500 und 1000 Mischlingskinder gelebt haben, von denen 129 in Heime der Regierung kamen, nur drei von ihnen ohne die Zustimmung der Mutter. Ungefähr 450 Kinder lebten in den Regierungsheimen mit Zustimmung und auf Kosten der Eltern, da diese eine Ausbildung nach westlichem Standard für ihre Kinder anstrebten. (Peter Howsen, the age 14.04.2000)

Diskussion über die Entschädigungszahlungen

Premierminister John Howard ist am 18.04.2000 mit Aborigines aus dem Northern Territory zusammengetroffen. Er wurde bei dieser Gelegenheit darum ersucht, ein Verfahren zu entwickeln, um die in diesem Bundesstaat anhängigen 2.100 Entschädigungsverfahren im Zusammenhang mit den "Stolen Generations" zu beschleunigen. Die Regierung hatte als Reaktion auf den "Bringing Them Home"-Bericht von 1997 $ 63 Millionen zugesagt. (AAP, 18.04.2000)


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Weiterführende Literatur

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