Industriekomplex

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Industriekomplex bedroht Kulturerbe der Ureinwohner Australiens

Save the Burrup Von: Yvonne Bangert

April 2008 aus: bedrohte völker_pogrom 247, 122008

Wären sie so bekannt wie der Uluru (Ayers Rock), mit dem Touristen aus aller Welt Australien verbinden, die Petroglyphen von der Burrup-Halbinsel im Norden des Bundesstaates Westaustralien wären wohl schon längst als Weltkulturerbe der UNESCO geschützt. Doch selbst in Australien ist diese weltweit vermutlich größte und mit bis zu 30.000 Jahren auch älteste Sammlung von Felsbildern weitgehend unbekannt. Für die Aborigines hat dieses unschätzbar wertvolle Erbe der Menschheitsgeschichte eine ähnliche Bedeutung wie für Christen die Bibel. Die Halbinsel, von ihnen Murujuga genannt, gilt ihnen als heiliger Ort, der wird. Die Petroglyphen, in das Gestein eingeritzte oder mit Steinen in die Oberfläche geschlagene Zeichnungen, zeigen Darstellungen von Menschen, Pflanzen, Vögeln, Fischen oder auch dem tasmanischen Tiger, der schon seit mehr als 3.000 Jahren ausgestorben ist. Wale gehören dazu, Delphine, Schildkröten, Kängurus, Eidechsen oder hundeähnliche Wesen. Sie sind älter als die berühmten Zeichnungen in den Höhlen von Lascaux in Frankreich, die Pyramiden in Ägypten oder die Felsen von Stonehenge.



Burrup-Halbinsel


Vielleicht hat dieser einzigartige prähistorische Kulturschatz unter der zum Jahreswechsel ins Amt gekommenen Regierung Rudd, die sich nicht nur als eine ihrer ersten Maßnahmen bei den Aborigines für das Unrecht der Vergangenheit entschuldigte sondern auch signalisiert hat, nachträglich die UN-Deklaration für die Rechte der Indigenen Völker ratifizieren zu wollen, doch noch Chancen auf Rettung. Der World Monuments Fund (WMF), eine gemeinnützige, internationale Organisation mit Hauptsitz in New York, die sich weltweit für die der Erhaltung von Denkmälern und historischen Stätten einsetzt, hat die Antiken Kunstschätze auf der Burrup-Halbinsel bereits 2006 in seine Liste der 100 am stärksten gefährdeten Kulturerbestätten aufgenommen.

Die Regierung des Bundesstaates Westaustralien will die Burrup Halbinsel ein großes Industriezentrum verwandeln. Da ist das Kulturerbe der Ureinwohner nur im Weg. Seit den 1960er Jahren baut der britisch-australische Konzern Rio Tinto dort Erze ab. In Dampier baute er auch einen Verladehafen für den Export nach Ostasien mit der dazugehörenden Infrastruktur. Damals wurde Burrup, ursprünglich eine der 42 Inseln des Dampier Archipels, durch einen Damm mit dem Festland verbunden. In den 1980er Jahren begann die Erdgasförderung, die erste Gasverflüssigungsanlage (LNG) North-West Shelf entstand. Tausende Felsgravuren wurden für ihren Bau zerstört. Dabei wäre es in dem großen, dünn besiedelten Gebiet durchaus möglich gewesen, Industrieflächen auszuweisen, an denen sich keine Petroglyphe befinden.

Nördliches Westaustralien
Gas Pipeline in der Nähe von Dampier
Gas Pipeline in der Nähe von Dampier

Die North-West Shelf LNG ist eines der größten Industrieprojekte in Australien. Diese Anlage will das Unternehmen Woodside nun ausbauen. Große Vorkommen an Land aber auch vor der Küste sollen ausgebeutet werden. Es sind also auch Pipelines nötig, um das Erdgas zur Verflüssigungsanlage und von dort zum Verladehafen zu transportieren. Gegen den erbitterten Widerstand der lokalen Aborigine-Gemeinschaften, von Archäologen und Umweltschützern will Woodside als nächsten Schritt zum Aufbau des Industriekomplexes in Holden Point die Pluto-LNG errichten. Im September 2006 erteilte Westaustraliens Ministerin für Ureinwohnerangelegenheiten die Baugenehmigung. Obwohl es noch kein Umweltgutachten gab und Woodside die Budgetierung noch nicht abgeschlossen hatte, wurde im Juli 2007 damit begonnen, nahezu 200 Petroglyphe abzutragen und außerhalb des Baugebietes umzulagern. Im Januar 2008 waren diese Arbeiten abgeschlossen, angeblich ohne dass die Felsbilder beschädigt wurden.

Der Aborigines-Ältesten Wilfred Hicks sagt stellvertretend: "Diese Felskunst ist von großer Bedeutung für die Aborigines". Für ihn zerstört bereits die Entfernung und Umbettung der uralten Bilder deren spirituelle Kraft, selbst wenn sie diese Prozedur unbeschädigt überstehen. Viele der Tausenden von Motiven nehmen Bezug auf heilige Zeremonien und Lieder. Die Tragödie der Ureinwohner der Halbinsel begann bereits 1868, als dort das Volk der Yaburara während eines acht Tage dauernden Massakers von den Kolonisatoren ausgelöscht wurde. Heute erheben die Ngarluma Yindjibarndi, die Wong-goo-tt-oo und die Yaburara Mardudhunera Anspruch auf das Gebiet.

Hicks wirft ihnen vor, als Wächter des heiligen Ortes versagt zu haben, denn viele ortsansässige Aborigines haben sich von Woodside als "Kulturberater" mit 500 Dollar pro Tag gut dafür bezahlen lassen, den Abtransport der bisher entfernten Petroglyphe zu überwachen. 2003 unterzeichnete die Regierung Westaustraliens ein Abkommen mit den Aborigines, mit dem der Industrieansiedlung der Weg bereitet und festgelegt wurde, das dafür nicht benötigtes Land den traditionellen Besitzern übergeben werden soll. Doch die Unterzeichner des Kontraktes auf Seiten der Ureinwohner waren Analphabeten und verstanden seine Bedeutung gar nicht.

Die Bundesregierung in Canberra hat im Juli 2007 die Petroglyphe von Burrup in die Liste des Nationalen Kulturerbes aufgenommen. Doch die Regierung Westaustraliens will den Industriestandort mit allen Mitteln durchsetzen, denn sie hat bereits Unsummen in den Aufbau der Infrastruktur für Industrieansiedlungen investiert, um Unternehmen anzulocken. Sie legte Bundesumweltminister Peter Garrett im März 2008 den Entwurf für einen Entwicklungsplan vor, dem zu Folge der Bund seine Entscheidungsbefugnisse bezüglich der Kulturerbe-Stätte auf der Halbinsel an die Regierung des Bundesstaates abtreten soll. Damit würde die Behörde Westaustraliens für Industrie und Bodenschätze freie Hand bekommen, die Industrialisierung des Schutzgebietes voranzutreiben. Doch nicht jeder folgt ihrem Lockruf. So haben sich die internationalen Konzerne BHP Billiton Petroleum und Apache Energy an anderen geeigneten Standorten in der Region Pilbara außerhalb des Kulturerbegebietes niedergelassen, beide begründeten dies mit ihrer Sorge um dessen Bewahrung. Die Ngarluma haben Minister Garrett dringend gebeten, den Plan der Regierung Westaustraliens nicht zu ratifizieren

Die Ngarluma sind entschlossen, die Felsbilder zu verteidigen. Sie haben die auf der Halbinsel tätigen Unternehmen gewarnt, dass sie notfalls auch darum kämpfen würden. Ihr Vertreter Andrew Dowding sagte der Nachrichtenagentur ABC, dass die Größe und der Reichtum der Unternehmen ihn nicht einschüchtern. "Wir sind nur eine kleine Gruppe und stehen einigen großen Unternehmen gegenüber, die uns wie Dreck behandeln. Aber wir gehen mit diesen sehr entschlossenen Unternehmen ebenfalls mit großer Entschlossenheit um, da ist kein Unterschied." 2007 haben sich die Projektgegner mit einem Hilferuf bereits an den damaligen UN-Sonderberichterstatter für die Rechte indigener Völker Rodolfo Stavenhagen gewandt. Mehrfach haben sie öffentlich bekundet, dass sie keine weitere Zerstörung ihres Kulturerbes wünschen. Woodside nimmt darauf wenig Rücksicht. Das Unternehmen ist in Zugzwang, hat es doch im September 2007 einen Vertrag mit PetroChina unterzeichnet und sich darin zur Lieferung von 3.000.000 t/Jahr LNG für die nächsten 20 Jahre verpflichtet. Schon 2006 hatte es auch mit Japan zwei Lieferverträge mit einem Volumen von 20 Milliarden Dollar geschlossen.

Literaturhinweise


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