Die Entstehung der Erde und der Menschen

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Einleitung

Wer die Geschichten über die älteste Kultur, die überlebte richtig gelesen hat; weiß über die nördliche und südliche Schlange und deren Bedeutung für die Energieausbreitung auf der Erde Bescheid. Und er versteht auch, warum in allen Geschichten der Ureinwohner irgendwie die gleichen Grundelemente wie Regenbogenschlange Wanambi (unter verschiedenen Namen), Geister, spirituelle Wesen und Magie bei der Erschaffung vertreten sind. Und noch heute erzählt man sich die legendären Geschichten, weil die Geister ja noch unter den Anangu sind, ihnen nützen, ihnen helfen oder sie bestrafen. Diese Wesen können Tiergestalt angenommen haben, können über Pflanzen wirken, können im Geheimen an bestimmten Plätzen leben. Auch große Berge können solche Ahnenwesen sein, wenn es nicht zu Stein verwandelte streitsüchtige Menschen waren.

Die Entstehung des Festlandes

Zu Anbeginn gab es nur das große Salzwasser. Aus den Tiefen stieg Ungud, die Regenbogenschlange, empor. Steil richtete sie sich auf und warf ihren Bumerang in einem weiten Umkreis über das Meer. Mehrmals berührte der Bumerang auf seinem Flug die Fläche des Salzwassers, und dort schäumte das Wasser auf, und glattes, ebenes Land kam zum Vorschein. Ungud wanderte über dieses neue, weiche Land und legte viele Eier, aus denen neue Urzeitwesen schlüpften. Es waren die Wondjina, und sie wanderten in alle Richtungen.

Devils Marbles
Wilpena Pound
Fraser Island
Nitmiluk Nationalpark
Die Regenbogenschlange

Noch heute kann man die Eier der großen Regenbogenschlange am Stuart Hwy nördlich von Wauchope besichtigen. „Devils marbles" (Teufelsmurmeln) hatten die Erbauer der Overland Telegraph Line (OTL) die Gesteinsformation genannt,


Den Waterholes kommt in der Mythologie eine besondere Bedeutung zu. Könnten sie doch die Orte sein, aus denen die Traumwesen auf die Erde gelangten und nach „getaner Arbeit“ wieder verschwanden. Also Vorsicht! Manche Orte sind wegen der Anwesenheit böser Geister Tabu! Über die Entstehung des Wilpena Pound, der kolorierten Steine auf Fraser Island, der hohen Dünen im Coffin Bay NP und auch des Aufwölbens des Mt. Jim Crow an der Ostküste von Queensland durch die Regenbogenschlange kann man in diesem Forum auch unter der Rubrik Reiseberichte „Geschichten der Ureinwohner“ nachlesen. Die wirklich lesenwerte Geschichte der Entstehung der Glasshouse Mountains ist bei dem gleichnamigen Reisebericht beschrieben.

Doch es gibt auch andere Entstehungsarten für kleinere Felsen. So meine die Ureinwohner, dass sie durchaus die Exkremente der Ahnenwesen sein können. Oder aber auch irgendwelche Körperteile (bzw. Innereien) eines der Ahnenwesen, das im Kampf getötet oder schwer verletzt wurde. Vielen der Australienreisenden wird Kathrin Gorges im Nitmiluk National Park bekannt sein. So nennt der Jawoyn Stammes die Schluchten. Es wird berichtet, dass die Traumzeitfigur Nabilil, manche nennen ihn auch Nibilil, ein ziemlich bösartiger Drache, der über das Land wanderte, auch zu den Schluchten kam. Durch seine Wasser- und Feuerstöcke, die er mit den Armen festklemmte, war er gefürchtet. Am Gorge angekommen rastete er und Dort hörte er das ununterbrochene Lied der Zikaden „Nit, Nit, Nit“. So nannte er das Land Nitmiluk. Die Gesänge aus der Traumzeit berichteten weiter, dass der Drache in der Schlucht ums Leben kam. Beim Fallen verschüttete er das mitgebrachte Wasser. So entstand der Katherine River. Der Fluss wiederum war die Voraussetzung für Entstehung von Flora und Fauna im Nationalpark. Nach einer weiteren Legende soll die Regenbogenschlange im tiefsten Loch der Schluchten leben.

Natürlich habe ich auf meinen Reisen kaum eine der beschrieben Legenden von Ureinwohnern gehört. Und es gibt eine Fülle von Büchern über die Traumwelt und den Mythos des Aboriginal People. Ein sehr erfolgreiches Buch ist „"Voices of the First Day" (1991 "Am Anfang war der Traum“) von Robert Lawlor. Und einige auch in den kommenden Abschnitten erzählten Geschichten sind aus diesem Buch.

Neben der Entstehung der Erde ist natürlich die Erschaffung der Menschen für die Ureinwohner ein hoch interessantes Thema. Die Story, nachdem die Menschen durch Wanambi geschaffen wurde, steht in der „Kulturgeschichte“. Hier einigen andere Erklärungen. In Central Australia, beim Stamm der Aranda erzählt man sich die Erschaffung des ersten Menschen so:

Die ersten Menschen

Einst lebten zwei große Wesen, die Numbakulla, im westlichen Teil des Himmels. Von dort sahen sie eine Anzahl von embryonaler Wesen, die Inapatua, und sein empfanden es als ihre Pflicht daraus Männer und Frauen zu machen. Zumal diese Urformen Inapatua unter den Felsbrocken am Rande der Salzseen kauerten. Die Umrisse der einzelnen Körperteile waren mehr zu erahnen als zu erkennen.. Sie konnte weder sehen, hören noch sich bewegen. Folglich kamen Numbakulla herab zur Erde, nahmen ihre Steinmesser und begannen unfertigen Körper der Inapatua Menschen zu machen. Mit ihren Messern machen sie zuerst die Arme und Beine durch vier Einschnitte am Ende der Gliedmaßen entstanden Finger und Zehen. Mit Ihren Messern öffneten die Geister die Augen und den Mund jedes Einzelnen- Nur zur Formierung von Nasen und Ohren benutzen sie ihre Finger.

Allmählich vermehrten sich diese neu geformten Wesen, verteilten sich über das Land, sammelten Nahrung und gehorchten den komplexen Gesetzen des Stammes mit all ihren Verhaltensweisen und Sitten, welch nur den Männer und Frauen des Aranda Stammes zu eigen ist.

Die Entstehung der Männer

Vor langer Zeit schuf Pund-jel, der große Schöpfergeist, alle Dinge auf der Erde und alle Lebewesen, außer den Frauen. Er trug immer ein großes Steinmesser bei sich, das er brauchte, um die Erde zu schaffen. So entstanden durch viele Einschnitte an diesen Stellen Berge, Täler und Wasserläufe.

Einst schnitt er mit seinem Messer drei größere Rindenstücke zurecht. Auf das erste legte er feuchten Ton, den er so lange bearbeitete, bis er glatt und formbar wurde. Dann trennte er den Ton in zwei gleich große Stücke und trug die eine Hälfte zu dem zweiten Rindenstück, auf dem er die Tonmasse zu kneten und in die Form eines Mannes zu verwandeln begann. Erst formte er Füße, dann Beine, Rumpf, Arme und schließlich den Kopf. Danach schuf er den Körper eines zweiten Mannes auf dem dritten Rindenstück. Als er seine Arbeit beendet hatte, betrachtete er die beiden Männer lange Zeit und war so zufrieden mit seinem Werk, dass er im Kreis um sie herumtanzte.

Als nächstes zog er faserige Rinde von einem Eukalyptusbaum ab und legte jedem Mann einen Haarschopf auf den Kopf. Dem einen Mann gab er glattes und dem anderen gelocktes Haar. Wieder war er mit seinen Geschöpfen so zufrieden, dass er erneut zu tanzen anfing. Dem Mann mit glattem Haar gab er den Namen Ber-rook-Boorn, den gelockten Mann nannte er Koo-Kin-Ber-rok.

Nachdem er die Körper der beiden Gestalten noch einmal von Kopf bis Fuß geglättet hatte, legte er sich auf den Körper eines jeder Mannes und flößte ihnen seinen Atem ein durch Mund, Nase und Nabel. Die beiden Männer begannen zu atmen und sich zu bewegen.

Pund-jel tanzte ein drittes Mal um sie herum. Dann schenkte er ihnen die Gabe der Sprache und befahl ihnen aufzustehen. Und so standen sie auf als erwachsene Männer.

Die Erschaffung der Frauen

Der Bruder von Pund-jel hieß Pal-ly-yan. Dieser besaß die absolute Macht über alle Gewässer. Er war der Herr über Flüsse, Bäche und Seen, und auch das Meer mußte ihm untertan sein. So beherrschte er alle Lebewesen des Wassers. Und am liebsten vertrieb er sich die Zeit mit Schwimmen und Tauchen.

Eines Tages vergnügte sich Pal-ly-yan auf diese Weise in einer sehr tiefen Wasserstelle. Er schlug übermütig mit flachen Händen auf die Wasseroberfläche, bis sich das Wasser zu trüben begann. Er wirbelte dabei so viel Schlamm auf, bis das Wasser undurchsichtig wurde und sich die Wasserstelle in ein Schlammloch verwandelte. Zwar konnte Pal-ly-yan nicht mehr erkennen, was sich unter der Oberfläche des Schlamms befand, doch glaubte er, darin etwas erkannt zu haben. Als er vorsichtig mit einem Zweig den Schlamm teilte, sah er ein Paar Hände, wie sie Pund-jel seinen Männern geformt hatte. Da holte sich Pal-ly-yan einen starken gekrümmten Ast, mit dem er den Schlamm tiefer teilte, worauf wie Köpfe auftauchten, die den Köpfen von Pund-jels Männern ähnelten. Mit dem gekrümmten Ast fischte Pal-ly-yan die beiden Gestalten aus dem Schlamm und sah, dass es zwei junge Frauen waren, denen er die Namen Ko-ner-warra und Ku-ur-rook gab.

Er brachte sie zu Pund-jel, der sie Ber-rook-Boorn und Koo-kin-Ber-rok, den beiden von ihm geschaffenen Männern, zur Frau gab. Dann gab er jedem Mann einen Speer und Pal-ly-yan gab jeder Frau einen Grabstock. Er bestimmte, dass sie in Frieden miteinander leben sollten. Er befahl den Männern, ihre Speere in der Jagd auf Kängurus und Emus zu benutzen, und den Frauen sagte er, dass sie mit ihren Stöcken nach Nahrung graben sollten.

Drei Tage lang blieben Pund-jel und Pal-ly-yan bei den beiden Paaren, unterwiesen die Männer in der Jagd und zeigten den Frauen, wo sie nach Wurzeln graben sollten. Am dritten Tag, als sie sich alle niedergesetzt hatten, kam ein großer Sturm auf und Pund-jel und Pal-lyyal entschwanden in einem großen Wirbelsturm.

Eine weitere Geschichte zur Erschaffung der Frauen

Im Stamm der Wik Munggan erzählt man, dass eines Tages Mond und Morgenstern, zwei junge Männer, in der Traumzeit aus dem Nordosten in Richtung Süden durchs das Land zogen. Solche Wanderung der Ahnenwesen gab es häufig. Hatten sie doch die Aufgabe die Welt, wie wir sie heute kennen (also Landschaft, Tiere, Pflanzen, Menschen, Riten, Zeremonien, Gesetze und sogar Eheregeln) zu schaffen.

Bei dieser Wanderung gab es noch keinen Frauen. Während Mond und Morgenstern durch das Land wanderten, sangen sie fröhliche Lieder und schufen so die Flüsse. Als sie müde wurden, legten sie sich zum Schlafen nieder. In der Nacht stand der Mond, der ältere von beiden, auf und kastrierte seinen Bruder, den Morgenstern. Er machte dort einen Schlitz, wo sich das Geschlecht seines Bruders befunden hatte und drückte dessen Brustkorb, um Brüste zu formen. So entstand die erste Frau.


Irgendwie hat die Erschaffung des Weibes wohl in jeder Schöpfungsgeschichte etwas mit der Verletzung der körperlichen Integrität des Mannes zu tun. So ist es nur verständlich, wenn die männlichen Ureinwohner die heiligen Stätten der Frauen tunlich meiden.


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Wir danken für die freundliche Unterstützung von Herrn Dr. Dieter Tischendorf, der uns das Textmaterial zur Veröffentlichung hier im Australienwiki zur Verfügung gestellt hat. Eine kleine Übersicht vieler seiner Bücher ist in unserer Linksammlung zu sehen.

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Special thanks for the friendly assistance of Mr. Dr. Dieter Tischendorf making this information with his textdocuments available. A small list of many of his books is availavle in our link-collection.


Weiterführende Literatur

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