Von einer Strafkolonie zur industriellen Weltmacht

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Der Beginn eines Wirtschaftsaufbaus

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Die "First Fleet" ("Erste Flotte") im Jahr 1787

Von einer Gefangenenkolonie zur industriellen Weltmacht

Für viele Jahre, nämlich seit der First Fleet 1788 bis ungefähr 1886, war Australien für Großbritannien lediglich ein „Wegschließbereich“ für unerwünschte Bürger. 164 Tausend Sträflinge wurden in dieser Zeit nach Down Under geschickt. Daran änderte auch die schnelle Erkenntnis des ersten Gouverneurs Arthur Phillip nichts, dass nämlich nur die Aufnahme einer landwirtschaftlichen Produktion Engpässe in der Lebensmittelbereitstellung lösen könne. Die wenigen Siedler, die freiwillig in dem südlichen Land ein neues Leben beginnen wollten, hatten mit unsagbaren Schwierigkeiten zu kämpfen. 1793 wurde ganz offiziell für die Neuansiedlung in Australien geworben. Zu dieser Zeit entschloss sich auch Hauptmann Mc Arthur Farmer zu werden. Noch mit Förderung von Phillip führte er das Merinoschaf in Australien ein. Eine kluge und voraussehende Maßnahmen, denn bereits 1803 liefert Australien erstmals eigene Erzeugnisse (Wolle) ins Mutterland. Das war der kleine Beginn einer eigenen Wirtschaft, der vom Gouverneur Macquarie ab 1809 vehement weiter gefördert wurde. Trotzdem gab es für Australien die gleichen unerträglichen Zwangszölle und wirtschaftlichen Beschränkungen, die schon in Nordamerika mit Anlass für die Befreiungskriege waren. Und sowohl den freien Siedlern, als auch den sich niedergelassenen entlassenen Sträflingen blieb nicht viel vom Ergebnis der harten Arbeit. Die Jahre 1813 bis 1886 sind geprägt von der Erforschung des Kontinents und der Erkenntnis, dass es sich um ein Land mit 70% Wüste handelt. Die wichtigsten der Forscher habe ich im „Und immer weiter zur Sonne“ ab Seite 490 schon gewürdigt. Diese Männer waren keine Abenteurer oder Glücksritter schlechthin. Sie erfüllten die wichtige Funktion der Erkundung des Kontinents. Wo befindet sich landwirtschaftlich nutzbares Land, wo könnten abbaubare Bodenschätze sein, welche Möglichkeiten bietet die Landschaft für die Erreichbarkeit des Landesinneren, wie sollten Transportwege gebaut werden? Wichtige Fragen, deren Beantwortung die Besiedlung ermöglichte und somit letztlich sogar zur Selbstständigkeit der Strafkolonie und zur Bildung auch anderer Territorien neben New South Wales führte. Diese kolonialen Verwaltungen imitierten aber das „große Vorbild" Großbritannien. Mit dem Erfolg, dass Großbritannien einer eigenen Verfassung zustimmte. Und mit dem Misserfolg, dass man den damals 400 Tausend Einwohnern von Australien die Zahlungsunfähigkeit der Verwaltung erklären mußte.

Wie so oft in der Geschichte von Down under half auch diesmal das Schicksal. 1851 verbreitet sich die Kunde von leicht abbaubaren Gold weltweit. Und ein Ansturm sondergleichen erreicht Australien. Innerhalb von 9 Jahren verdreifachte sich die Einwohnerzahl auf 1,2 Millionen. Plötzlich wurden auch die Verwaltungen durch die Lizenzgebühren für Goldgräber wieder wohlhabend. Und alle, Handwerker, Händler, Gewerbetreibende, Gastwirte profitierten von Goldgier der Glücksritter. Da viele der Goldsucher erfolglos blieben und verzweifelt nach einem Broterwerb suchten, gab es plötzlich auch keinen Arbeitskräftemangel mehr beim Straßenbau oder aber bei Lohnarbeitern zum Beispiel im Kohleabbau. Seit 1841 kannte man zum Beispiel die reichen Kohlevorkommen in den Blue Mountains, aber erst 1878 begann der Abbau. Und Kohle ist heute noch ein Posten von 30% im australischen Rohstoffexport.

Die verschiedenen Länder des Kontinents versuchten in bürokratischer Überheblichkeit alle einen eigenen Profilierungsweg. Mit der Folge, dass es in Australien bald mehrere unterschiedliche Postwesen, ein von Territorium zu Territorium völlig unterschiedliches Steuersystem, ja sogar drei Eisenbahnnetze mit verschieden breiten Schienen gab.

Es waren nicht zuletzt diese Hemmschuhe für die Entwicklung des Handels, der Industrie und der Besiedlung, die dem fünfmaligen Premierminister von NSW Henry Parkes unermüdlich für die Gründung einer Föderation auf jeder Ebene des politischen und wirtschaftlichen Lebens, gegen Rivalitäten der Kolonien, gegen falschen regionalen Patriotismus, kämpfen ließ. Und dann war es vollbracht.

Die Federation und der wirtschaftliche Aufschwung

John Adrian Louis Hope (* 25. September 1860 in South Queensferry, West Lothian, Schottland; † 29. Februar 1908) war der erste Generalgouverneur Australiens.

Am 1. Januar 1901 erklärt Gouverneur Lord Hopetoun bei einer feierlichen Zeremonie im Sydney Centennial Park Australien zum "Federal Commonwealth of Australia". Die Gründung des "Australischen Bundes" aus den britischen Kolonien New South Wales, Victoria, Queensland, Western Australia, South Australia und Tasmanien ist perfekt. Die an den Vorbildern USA und Großbritannien orientierte Verfassung ist für die damalige Zeit außergewöhnlich liberal, enthält u.a. das seit 1892 schon in SA festgeschriebene Wahlrecht für Frauen. Die Aborigines blieben rechtlos. In den 128 Paragraphen werden die Ureinwohner nur zwei Mal erwähnt.

Offizielles Staatsoberhaupt der parlamentarischen Monarchie (Zwei-Kammer-Parlament) ist natürlich weiterhin die britische Königin Victoria. Die britische Krone wird durch einen von ihr ernannten Generalgouverneur vertreten. Melbourne wird die vorübergehende Hauptstadt, bis zur Funktionsübernahme durch Canberra . 3,7 Mio. Einwohner wählen das erste Parlament. Erster Premierminister wird Edmund Barton.

Die sechs Bundesstaaten mit eigenen Regierungen und Gouverneuren bekommen innenpolitische Unabhängigkeit. Aber so richtige Bedeutung hatten nur Schaf- und Rinderzucht, Mais –und Weizenanbau, Weinherstellung und natürlich die Zuckerrohrplantagen in Queensland. Ein zunehmender Industriezweig wurde der Fischfang und verarbeitende Industrie. Allerdings behaftet mit einer hohen Liquidationsrate. International ließen bestimmte populäre Maßnahmen der Regierung, wie 1908 die Einführung der gesetzlichen Altersversorgung, die Mindestlohnregelung und der Acht Stunden Arbeitstag als Ergebnis der Auseinandersetzungen mit den 68 Tausend Mitgliedern der 198 Gewerkschaften, schon aufhorchen.

Für so ein großes Land mit der geringen Einwohnerzahl von 4 Millionen waren zwischen 1900 und 1914 große Fortschritte in der Entwicklung der landwirtschaftlichen und der Produktionskapazitäten Australiens zu verzeichnen. Dazu gehören auch die Schaffung von Regierungsinstitutionen und sozialen Einrichtungen. Dann kam der 1. Weltkrieg! Fast 400.000 der knapp drei Millionen männlichen Einwohner meldeten sich freiwillig zum Kriegseinsatz. 60.000 kamen nicht zurück. Zehntausende wurden verwundet, viele von ihnen schwer. Aus den Kriegsjahren sind einige bedeutende Traditionen der Australier hervorgegangen. Keine gilt im australischen Ethos als so herausragend und wird so hoch geschätzt wie die Tradition des "Anzac" (Australisches und neuseeländischen Armeecorps), die 1915 in Gallipoli in der Türkei entstand, als die Anzac Truppen, bedingt durch eine unfähige britische Generalität, von den Türken aufgerieben wurden. Daran erinnert jeden 25. April der Anzac Day, heute ein nationaler Gedenktag für die australischen Opfer aller Kriege, in denen Australier gekämpft haben. Und viele Australier meinen, das nicht der 2. Januar 1901 der Gründungstag der Nation sei, sondern der 25. April 1915!

Zwischen 1815 und 1930 haben 52 Millionen Europäer ihre Heimat verlassen. Aber nur 3,5 Millionen Menschen versuchten einen Neustart in Australien. Das war nach dem 1. Weltkrieg durch die desolate Lage der Wirtschaft auch erschwert. Unsicherheit der Arbeitsplätze, die Existenzangst führte zum Beispiel 1917 in Sydney zu einem Generalstreik, an dem sich 97 Tausend Eisenbahn- und Tram Angestellter beteiligten. Die Weltwirtschaftkrise, in Australien vornehm als große Depression bezeichnet, deutete sich schon an. Noch mal eine kurze Atempause, nachdem der damalige Premierminister William Hughes in „grobschlächtiger“ Verhandlungsweise in Versailles die volle Rückerstattung der Kriegskosten, die sofortige Gefangenrückführung und die Zuordnung von Papua Neuguinea zu Australien erreichte. (Neuguinea wurde immerhin bis 1975 von Canberra regiert). Der australische Staat schuf durch eine partielle Landenteignung großer Farmen kostenlose Möglichkeiten für Besiedlung durch Kriegsheimkehrer. In diese Zeit sind besonders viele Italiener nach Down under emigriert. Aber es kam zunehmend zu einem internen Missverhältnis. Viele Kreditinstitute gingen in Konkurs. Den Menschen mit Unternehmungsabsichten fehlte das nötige Geld für Investitionen, das Außenhandelsdefizit führte zu einer Überschwemmung des australischen Marktes mit teueren Waren des täglichen Lebens aus Europa. Und die Konflikte in der Gesellschaft führten zu deren Spaltung. Zwar erkämpften die Gewerkschaften 1920 den 8 Stunden Arbeitstag. Aber was nutzte der, wenn es keine Arbeit gab? Streiks, wie der „Waterside Workers Strike“ 1928, der „Beef marsh“ 1931 waren Ausdruck der Not der Bevölkerung, die etwa 6 Millionen betrug. Als zwei Tage vor dem „Schwarzen Freitag“ (Börsencrash an der Wallstreet 24. 10.1929) in Australien die Labour Party die Regierungsgeschäfte übernahm, war die erste Information an die Bevölkerung „Die Staatskassen sind leer!“ Für Australien bedeutete die Weltwirtschaftskrise ein nationales Debakel. Erstmals war die Zahl der Auswanderer größer als die der Einwanderer. Der Export ging gegen Null. Die Preise für Wolle und Weizen, zwei Standbeine der australischen Ausfuhr fielen auf einen historischen Tiefstand. Und Australien verzeichnete schon 1929 25% Arbeitslose. In Südaustralien waren 50 % der erwerbsfähigen Männer ohne Arbeit. Von diesem Tiefpunkt erholte sich das Land nur langsam. Und kleine lokale wirtschaftliche Erfolge besserten die Lage kaum.

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Die Lage im 2. Weltkrieg

So paradox es klingt. Der Beginn des 2. Weltkrieges mit der Zunahme der Rüstungsindustrie besserte kurzzeitig die wirtschaftliche Lage. Dann aber brachten die hohen Kriegssteuern, die Rationierung der Waren, die Bedrohung des Landes durch die Japaner wieder wirtschaftliche Schwierigkeiten. Niemals haben die Australier den Briten verziehen, dass sie im Mittelmeer kämpfen mussten anstatt ihre Heimat gegen die drohende japanische Invasion zu verteidigen. Das taten die Amerikaner. Die Niederlage der Japaner in der Schlacht am Korallenmeer beendete deren Invasionspläne. Und die Australier lernten, wie vorteilhaft die außenpolitische und wirtschaftliche Orientierung zu Amerika für ihr Land wurde. Wie wichtig der Kontakt und die Handelsbeziehungen mit den Nachbarstaaten sind, und dass eine multikulturelle Orientierung in der Einwanderungspolitik dem Lande nur zum Vorteil gereichen kann. Der damalige Premierminister Ben Chifley Minister gab mit der populistischen Parole „Populate or Perish“ (Bevölkern oder Sterben) den Weg frei zu einer starken Zunahme der Immigranten. 200 Tausend waren es zwischen 1948 und 1952. Bis 1970 sollten 2,5 Millionen Menschen, darunter mehrere 100 Tausend Asiaten seit dem 2. Weltkrieg in Australien eine neue Heimat finden.

Und, da die Australier zweifelsohne am Sieg der Alliierten in Europa, Asien und im Pazifik beitrugen, entstand auch ein neues stolzes Nationalbewusstsein. Zumal viele Frauen, die während der beiden Kriege in Fabriken und auf Farmen überhaupt erst die Fortführung der Produktion ermöglichten, jetzt weiter arbeiten konnten und so zum beginnenden Wohlstand in den Familien auch finanziell beitrugen.

Trotzdem bekamen die Australier auch die Probleme der Rationalisierung der Arbeit zu spüren. Trotz Steigerung in der Weizenproduktion, trotz neuer Rekorde im Wollexport wurden immer weniger Arbeitskräfte auf den Farmen benötig. Dafür nahm der Anteil der verarbeitenden Industrie zu. Und Großprojekte zur Erschließung der Bodenschätze (wie Kohle, Erdöl, Erdgas, Eisenerz, Gold, Kupfer, Nickel und Salz) sollten nicht nur den eigenen Bedarf decken, sondern auch zu Exportschlagern werden. Große staatlich geplante und finanzierte Objekte dienten der Verbesserung der Infrastruktur. Das Snowy Mountains Scheme (S.757 „Und immer weiter zur Sonne“), wo von 1950 bis 1974 über 100.000 Menschen aus über 30 Ländern eine ingenieurtechnische Großtat in die Realität umsetzten, steht als Beispiel für eine Vielzahl solcher Projekte, die natürlich auch gute Arbeitsplätze boten und die Infrastruktur der Baugebiete nachhaltig beeinflussten.

Es war Frieden an der Arbeitsfront eingetreten. Politische und wirtschaftliche Stabilität, die Herausbildung der wohlhabenden Schicht vorstädtischer Grundbesitzer, der Anstieg der privaten Hausbesitzer von 40% 1947 auf 70% 1960 kennzeichnen die „Boring fifties“, die langweiligen Fünfziger.

Die wirtschaftlichen Auswirkungen der Olympiaden

Ein Meilenstein für einen explosionsartigen Aufschwung der Touristikindustrie waren die Olympischen Spiele 1956 in Melbourne. Man spricht vom Beginn des Zeitalters des Tourismus in Down under. Und nicht nur Touristen, nein auch viele eine neue Heimat Suchende kamen ins Land. Mit der Folge, dass in Australien immer strengere Immigrationsbestimmungen entstanden. Wer gebraucht wurde oder Geld ins Land brachte war aber weiterhin jederzeit willkommen.

Auszug der Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele 1956 in Melbourne (Text nur in Englisch verfügbar!)


Das Land lebte auf. Aber schon 1985 entwickelte sich eine neue Rezession. Der Import wurde wieder größer als der Export. Der australische Staat senkte die Einwandererquote um 30% auf 80 Tausend Immigranten pro Jahr. Und es setzte eine erfolgreiche intensive strafrechtliche Verfolgung der illegalen Einwanderer ein. 1992 hatte Australien mit über 11% die höchste Arbeitslosenquote seit 1930. Seit 1972 die Labour Party die politische Macht in Australien übernahm wurden Voraussetzungen für langfristige gesetzliche Veränderungen in der Sozial- und Wirtschaftpolitik, für den Gesundheitsbereich und das Bildungswesen geschaffen. Die Reform der Arbeitgeber Arbeitnehmer Beziehung war ein weiterer zu lösender Schwerpunkt.

Leider führte eine Verfassungskrise 1975 dazu, dass Premierminister Gough Whitlam von Generalgouverneur John Kerr entlassen wurde.

Dann ging es 16 Jahre bergauf und bergab, bis 1991 die Labour Party mit Paul Keating wieder einen profilierten Politiker als PM stellte. Der auch 1993 wieder gewählt wurde. Vielleicht auch, weil es ihm gelang, dass Australien Mitglied der APEC (Asian Pacific Economic Corporation) wurde. Er hatte schon in der vorherigen Regierung als Finanzminister die Deregulierung des Finanzwesens und das Floaten der Währung eingeschränkt. Steuerhinterzieher wurden erbarmungslos strafrechtlich verfolgt. Die Privatisierung von Staatsbetrieben (wie Qantas), das Drängen der Privatwirtschaft zu einem Exportorientierten Kurs waren die Mittel, mit denen er erfolgreich die Angst vieler Australier, eine asiatische Enklave zu werden, bekämpfte. In seine Regierungszeit fiel die schlimmste Dürreperiode der letzten 200 Jahre, kam es zu verheerenden Buschfeuern, die tausende Australier obdachlos machen. Und es war nicht zuletzt die Ungeduld der eigentlich unpolitischen Aussies, die endlich wieder eine Besserung ihrer wirtschaftlichen Situation erwarteten Sie sahen nicht, dass dafür gute Gesetze geschaffen wurden, aber sie registrierten die hohe Staatsverschuldung und das geringe Wachstum des Bruttoinlandproduktes.

So gewannen die Liberalen 1996 nicht nur die Wahl, sondern stellten in John Howard am 13. März 1996 auch den neuen Premier Minister.

Howard war klug genug, um keine der eingeleiteten Reformen zu verändern.

Er versprach den Australiern die Senkung des Haushaltsdefizits (damals 10 Milliarden Dollar), die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit und die Verschärfung der Einwanderbestimmungen zum Schutze der Rechte der Australier. All diese Versprechungen hat Howard eingelöst. So waren seine Wiederwahlen 1998, 2001 und 2004 keine Sensation. Bei der letzten Wahl 2004 schafften die Liberale und Nationale Koalition sogar die Mehrheit im Senat. Trotzdem ist der Premier in Australia nicht populär. Und noch heute streiten sich die Wirtschaftsexperten und Volkswirte, ob Howard ein überaus weitsichtiger befähigter Politiker oder ein vom Glück begünstigter Premier Minister ist. Letzteres meint zum Beispiel der amerikanische Volkswirt Nobelpreisträger Joseph Stieglitz. Sicher war es klug, all die von Keating eingeleiteten Maßnahmen zu lassen. Sicher war es Glück, dass die bevorstehende Olympiade 2000 in Sydney ab 1997 das Wirtschaftswachstum auf 6% hochschnellen ließ, und dass der größte Bauboom in der australischen Geschichte einsetzte. Howard schränkte die Macht der Gewerkschaften ein. Hohe Strafen bei die öffentliche Ordnung destabilisierende Streiks und eine zunehmende Zufriedenheit in der Bevölkerung verhinderten eine Konfrontation. Und die Australier sind eben so lange zufrieden wie sie ihr Haus und ihr Boot haben, einen tollen Wagen in der Garage und Arbeit, die soviel einbringt, dass man die Schulden tilgen kann. Ein Premier Minister, der das realisiert, hat Narrenfreiheit. 1998 hatte Howard den Haushalt saniert. 1,2 Milliarden Dollar Plus trotz der asiatischen Finanzkrise. Mit diesen Erfolgen gelang es Howard die Presse, die früher zerfleischend die Regierungsmaßnahmen kommentierte, gleich zu schalten. Eine von allen Regierungschefs der Welt beneidete Tat. Kein Pressemogul in Down under würde es wagen, gegen Howards Politik zu polemisieren, ohne dass die Kampagne vorher abgesprochen war.

Und das Glück scheint ihm weiter treu zu sein. Als nämlich nach der Olympiade der Binnenmarkt bröckelte kam der Rohstoff- und Konsumbedarf aus China, das nach dem Besuch von Präsident Hu Jintao im Oktober 2003 zum drittgrößten Handelspartner Australien wurde. So blieben der wachsende Wohlstand und der wirtschaftliche Aufschwung. Lieferverträge mit Laufzeiten von 15 Jahren, z.B. für Erdgas, zeugen von der Weitsicht australischer Wirtschaftpolitik. Dazu kommt aber noch ein Weiteres. Natürlich geht die Globalisierung auch an Australien nicht vorbei. Doch gibt es hier, bedingt durch die Persönlichkeit Howards eine etwas andere Haltung der Industriebosse als in Europa. Natürlich nutzen die auch die Billigmärkte in Asien zur Herstellung bestimmter Produkte. Aber der Stammsitz der Firmen bleibt Australien, wo auch die Steuern bezahlt werden. Ein Wirtschaftswachstum von 3,75 %, die Staatsverschuldung ist Null, die Arbeitslosenquote beträgt 5,1 % (und da sind die Aborigines eingeschlossen) – das sind die Trümpfe, die Howard ausspielen kann. Und noch ein weiteres. Der vor 10 Jahren aufgelegte Personenfond, der private Gelder für die Altersvorsorge der Arbeitnehmer, beträgt mittlerweile 460 Milliarden Dollar. Das ist ein Kuchen, von dem viele internationale Finanzunternehmen ein Stück abhaben wollen.

In den letzten Jahren haben sich aber auch die Bedingungen für internationale Firmen in Down under deutlich verbessert. Der bessere Markt, die mehrsprachigen Arbeitsnehmer, die Rolle Australiens in der APEC, wobei die großzügige Australienhilfe für die Tsunami Opfer unvergessen ist, sind für viele Firmen mit Stammsitz in Südostasien sind das Gründe, in Australien ansässig zu werden. Darunter auch die deutsche Lufthansa, die zum Beispiel das weltweite Buchungssystem über Melbourne abgewickelt.

Viele internationale Investoren beteiligen sich sehr gern an den australischen Großprojekten. Als Beispiel sei nur die Investorgruppe, unter amerikanischer Flagge stehend, für den Bau der Eisenbahnstrecke der Ghan und den Ausbau des Hafens von Darwin genannt. Überhaupt sind die USA Australiens größter Handelspartner. Und ein 2004 ratifiziertes Freihandelsabkommen soll die wirtschaftlichen Beziehungen noch enger werden lassen. Auch Japan, als ein Hauptabnehmer australischer Rohstoffe und landwirtschaftlicher Produkte wurde so mittlerweile zum drittgrößten Investor in Australien. Man versucht auch in bilaterale Beziehungen zur EU zu kommen. So würde man gern den europäischen Markt für australische Produkte nutzen und bietet im Gegenzug die geförderte Möglichkeit von Investitionen in Australien. Die Deutsche Bank hat den Bau der unterirdischen Autotrasse in Sydney finanziert. Wie gesagt, Investoren sind jederzeit willkommen. Gebaut wird aber, wenn möglich, von den Australiern.

Im November 2005 hat Howard den Bogen vielleicht etwas überspannt. Aber er hielt sich an seine Regierungserklärung für die neue Regierungsperiode: völlige Privatisierung des Telekommunikationssektors, die weitere Lockerung des Kündigungsschutzes, sowie die Schaffung einer Unternehmermentalität in Australien. Natürlich fanden schon immer Arbeitskämpfe zwischen Gewerkschaften, Arbeitgebern und der Regierung statt. Immerhin galt Australien lange als ein sehr streikfreudiges Land und manch ein Tourist litt in den 80er Jahren unter den Flugpersonalstreiks. Inzwischen ist die Streikrate allerdings auf unter 10% des Niveaus von 1983 zurückgegangen.

Immer noch existieren in Australien rund 300 Gewerkschaften, in denen mehr als 50% aller Beschäftigten organisiert sind. Die Löhne und Arbeitsbedingungen sind daher recht gut. Schon Anfang der 50er Jahre setzten die Gewerkschaften die 40-Stunden-Woche durch. Heute ist die 5-Tage-Woche mit 38 Stunden und 4 Wochen Jahresurlaub die übliche Regelung. Dazu werden 10 Feiertage und zwischen 5 und 10 Krankheitstage bezahlt. Nach einer Beschäftigungszeit von 10 bis 15 Jahren im gleichen Betrieb erhalten viele Arbeitnehmer zusätzlich einen bezahlten Sonderurlaub "Long Service Leave" von zwei bis drei Monaten. Die gesetzlichen Mindeststundenlöhne werden zwischen der Bundesregierung und den Gewerkschaften in Tarifabkommen festgelegt. Das dient auch zum Schutz der etwa 40% Arbeitnehmerinnen.

Die letzte große Machtprobe zwischen den Gewerkschaften und den Unternehmern, als 1998 2100 Hafenarbeiter fristlos entlassen wurden, als Streiks, Massenproteste und Gerichtsverhandlungen die Arbeitslandschaft bestimmten, war schon vergessen, als Howard mit einem Gesetzentwurf plante den Kündigungsschutz zu unterlaufen. Er begründete sein Vorhaben mit der Sicherung der bestehenden und Schaffung neuer Arbeitsplätze in Australien.

Mehr als 3,6 Millionen Arbeitnehmer/Innen, die in Unternehmen mit weniger als 100 Beschäftigten arbeiten, würden ihr Recht gegen unbegründete Entlassungen verlieren. Gewerkschaften oder Einzelpersonen, die für ihre Rechte eintreten, könnten mit bis zu $ 33.000 (EUR 20.600) Geldstrafen rechnen. Die Regelung der Mindestlöhne wird geändert, was ein Sinken der Mindestlöhne zur Folge hätte. Das Recht auf Kollektivvertragsregelungen soll zu Gunsten von individuellen Arbeitsverträgen eingeschränkt werden. Das würde Änderungen bei der Überstundenregelung, bei Feiertagszuschlägen, den Pausen, dem Urlaub und der Abfertigungen bedeuten. Insgesamt sollte die Macht der Gewerkschaften erheblich beschnitten werden, da ihnen Zutritt zu den Arbeitsplätzen eingeschränkt oder sogar total verboten würde. Das Gesetz beinhaltet eine Regelung, nach der Arbeitnehmer/Innen in der Baubranche mit Haftstrafen von bis zu sechs Monaten rechnen können, wenn sie sich weigern an geheimen Absprachen teilzunehmen.

Wir hatten gerade in Cairns Station gemacht, als wir im TV von den machtvollen Demonstrationen gegen Howards Politik erfuhren. Über eine halbe Million Arbeitnehmer/Innen sind am 15. November während der Arbeitszeit auf die Strasse gegangen, um gegen diese Gesetze der rechten Regierung unter John Howard zu protestieren. Allein 250 Tausend Menschen protestierten in Melbourne gegen die „Industrial Relation laws“. Vielleicht auch deshalb, weil im gleichen Zeitraum Telstra (vormals Telecom) ankündigte in absehbarer Zeit 12.000 Arbeitsplätze abzubauen, da das von der Regierung geförderte Mobile Netzwerk für Australien nunmehr Arbeitskräfte entbehrlich macht. Der Protest wird als einer der größten Antiregierungskampagne in der Geschichte Australiens bezeichnet.

Zum angedrohten Generalstreik ist es nicht gekommen. Der Einfluss des PM auf die Zeitungskonzerne zeigte schon ab 17. November Wirkung. Alles wurde heruntergespielt. Dazu kam Howard zwei Wochen später vom APEC Gipfel mit neuen Investitionsvorhaben ausländischer Geldgeber zurück. Natürlich ist die Bereitschaft der Konzerne , in einem industriellen Land mit stark eingeschränkten Kündigungsschutz zu investieren sehr groß, da hier schon eine in den Entwicklungsländern noch zu schaffende Infrastruktur vorliegt. Das Problem bei einer solchen zweischneidigen Situation ist, dass man seit der Globalisierung dem Arbeitgeber im Großen keine Sozialverträglichkeit, sondern nur noch Profitorientierung zutrauen darf.

Doch hatte diese Ankündigung zur Folge, dass der Premier mit neuen, Zukunft orientierten Wirtschaftverträgen, unter anderem sogar mit Pakistan, von der APEC wieder nach Australien kam.

Dem steht die zurzeit wirklich einzigartige Entwicklung der Wirtschaft entgegen. Die Bedarfsdeckung allein des chinesischen Marktes sichert Arbeitsplätze. Bis, ja bis die Chinesen die Konsumgüterproduktion selbst übernehmen und als Billiganbieter wohl auch den australischen Markt dann überfluten.

Australiens Wirtschaft in Gegenwart und Zukunft

Ein Blick auf die derzeitige Infrastruktur der australischen Wirtschaft ist äußerst interessant Auch im zurückliegenden Haushaltsjahr (Juli 2004 bis Juni 2005) und damit im dreizehnten Jahr in Folge wird ein deutliches Wachstum verzeichnet, obwohl inzwischen eindeutige Zeichen einer Konjunkturberuhigung erkennbar sind. Nach einem Wachstum von 4,1% (2003/2004) betrug die Wachstumsrate für 2004/2005 nur noch (saisonbereinigt) 2,3%. Die durchschnittliche Wachstumsrate der letzten zehn Jahre liegt damit bei 3,7%. Die Arbeitslosenquote bleibt auf einem historisch niedrigen Stand von 5,1% und Inflationsrate und Zinsniveau sind niedrig. Der Haushalt 2005/2006 sieht ein weiteres Mal einen Überschuss von 8,9 Mrd. AUS-Dollar vor. Das durchschnittliche Monatseinkommen eines Vollzeitbeschäftigten wird für Mai 2005 mit 4112 AUS-Dollar angegeben (das entspricht 2550 Euro). Im Zeitraum Mai 2004 bis Mai 2005 stieg das Durchschnittseinkommen eines Vollzeitbeschäftigten um 5,8%. Australien ist neben den USA das einzige Industrieland, in dem Frauen (außer im öffentlichen Dienst) keinen generellen Anspruch auf bezahlten Mutterschutz haben. Der Arbeitsmarkt ist insgesamt arbeitgeberfreundlicher als in Deutschland.

Von Staatsverschuldung wird nicht mehr gesprochen.

Allerdings gibt es eine hohe private Auslandsverschuldung und eine wirtschaftliche Unsicherheit des verarbeitenden Sektors. Man kennt das chronische Leistungsbilanzdefizit und hofft auf die Behebung durch ein gutes Investitionsklima. So sieht das auch die Deutsch- Australische Industrie- und Handelskammer in Sydney, die zwar die deutsche Industrie in Australien recht gut platziert sieht, jedoch eine verstärkte Nutzung des bestehenden Potentials durch kleinere und mittlere Firmen aus Deutschland für sehr wünschenswert hält., da Australien bei relativ niedrigem Lohnniveau über einen hohen Ausbildungsstand verfügt. Die politischen, wirtschaftlichen, rechtlichen und sozialen Rahmenbedingungen sind stabil. Deutsche Unternehmer, die sich von Australien aus im Asiengeschäft engagieren, finden in Australien relativ einfach Fachkräfte, die asiatische Sprachen beherrschen.

Australiens Wirtschaft wird vom Dienstleistungssektor dominiert (über 80% des BIP 2003/2004). Demgegenüber entfallen auf industrielle Produktion 10,6%, Bauwirtschaft 6,2%, Bergbau 4,2%, Landwirtschaft 3,2% sowie Strom-, Gas- und Wasserversorgung 2,2% des BIP.

Australien hat seine Wirtschaft zunehmend diversifiziert und den Schritt zur Informationsgesellschaft vollzogen: Es verfügt über eine der höchsten Pro-Kopf-Nutzerraten von PCs weltweit. Laut letzter Erhebung von 2003 hatten 66% der Haushalte einen PC und 53% Internetzugang. Die „New Economy“ mit den Branchen Informations- und Kommunikationstechnologie, E-Commerce, Bio-, Nano- und Medizintechnologie spielt eine immer wichtigere Rolle. Wirtschaftsdienstleistungen (darunter Beratungs-, Umwelt-, Rechts-, und Buchhaltungsdienstleistungen sowie Public Relations gehören zu den am schnellsten wachsenden Branchen. Auch Forschung und Entwicklung haben einen recht hohen Stellenwert. So setzte sich die positive Entwicklung 2004/05 mit einem BIP von 2,3% fort. Allerdings ging der private Wohnungsbau von 7,3% auf 2% zurück. Und auch der private Konsum verringerte sich um 4 Prozentpunkte. Ob der zum Vorjahr um 3% höhere Lebensindex oder aber die drastische Verteuerung des Benzins dies mit beeinflusste? Es ist wahrscheinlich. Trotzdem rangiert Australien in der BIP/Kopf Analyse immer noch zu den 10 besten Ländern und rangiert deutlich vor Deutschland. Die Prognostiker rechnen mit einer weiteren Wachstumsperspektive des BIP in den nächsten Jahren. Dafür könnte auch die Zunahme der Auslandinvestitionen führen, die am 31.12. 2004 mit über 681 Milliarden Euro 97 Milliarden Euro mehr als im Vorjahr betrug. Die Aufwertung des AUS- Dollars gegenüber dem US- Dollar führte zu einem Exportrückgang und einer Importverbilligung. Und zu einer Zunahme des Leistungsbilanzdefizits. Eigentlich ein Alarmsignal. Aber die gesunden Staatsbilanzen und der schier unerschöpfliche Reichtum des Landes an Rohstoffen hat das Vertrauen der ausländischen Investoren scheinbar noch gestärkt. Doch auch die australischen Investitionen ins Ausland lagen mit 383 Milliarden Euro Ende 2004 immerhin 65 Milliarden Euro über den Vorjahresinvestitionen lagen.

Der Sparte Touristik wird weiterhin größte Aufmerksamkeit gewidmet. Kamen 2004 5,2 Millionen Touristen nach Down under, rechnet man nach Öffnung zum asiatischen Raum bis 2012 mit 8 Millionen Besucher. Der Anteil der deutschen Besucher mit 2,9% in 2003 und 2,7% in 2004 kennzeichnet die wirtschaftlichen Möglichkeiten der Deutschen. Und die ständig steigenden Flugpreise nach Down under tun das ihrige. Backpacker sind für die Aussies eine äußerst interessante Zielgruppe. Sie bleiben in der Regel drei Mal so lange als der normale Tourist und geben doppelt so viel Geld aus.

So sieht die Zukunft für Australiens exportorientierte Wirtschaft nicht schlecht aus. Und das schlägt sich auch im Verhalten der Australier nieder. Die private Verschuldung hat einen für Down under nie gekannten Höchststand erreicht. Niedrige Hypothekenzinsen, steuerliche Anreize zum Hausbau und einfacher Zugang zu Krediten sorgten für eine zunehmende Verschuldung privater Haushalte. Betrug deren Verschuldung zu Beginn der 90er Jahre 56% des verfügbaren Einkommens, so ist sie inzwischen auf weit über 100% geklettert. Seit 2002 ist die Sparquote negativ, d.h. es wird mehr konsumiert als an Einkommen verfügbar ist. Eine Beruhigung zeichnet sich jedoch ab, vor allem weil der private Wohnungsbau deutlich zurückgeht und damit auch die private Kreditnachfrage.

Viel hängt in den nächsten Jahren davon ab, wie sich die Außenhandespartner im Ost und Südasien verhalten, die immerhin 53 % des australischen Absatzmarktes sind. Und da wird wohl Chinas rasant wachsende Wirtschaft bald diese Zahlen revidieren.

So ist es eine gewisse Logik, wenn die Wirtschaft in Übereinstimmung mit der Regierung jetzt wieder auf die Rohstoffnachfragen nach Kohle und Eisenerz für die Zukunft setzten.

Deutschland ist mit 65 Tochtergesellschaften deutscher Unternehmen und insgesamt ca. 850 Betriebsstätten in Australien stark vertreten. Bei deutschen Unternehmen sind 45.000 Personen beschäftigt. Hinzu kommen rund 35.000 weitere Arbeitsplätze bei Zulieferern, so dass die deutsche Wirtschaft etwa 80.000 Arbeitsplätze in Australien stellt. Der Umsatz deutscher Firmen in Australien liegt bei etwa 15 Mrd. EUR jährlich. Die Dresdner Bank hat ihr Commodity Business in Sydney zentralisiert und die Deutsche Bank feiert dieses Jahr ihr dreißigjähriges Bestehen in Australien. Die Firma Bilfinger-Berger führte über ihre australische Tochter Baulderstone Hornibrook den „Cross City Tunnel“ in Sydney als BOT-Projekt aus. Er wurde Ende August 2005 eröffnet. Für das „Epping to Chatswood Rail Line Project“ in Sydney werden Werkzeuge, Maschinen und Bauteile zum Großteil über das Logistikunternehmen Schenker geliefert. Siemens hat 2004 drei Aufträge im Gesamtwert von 590 Mio. EUR für den Bau von drei Kraftwerken in Kemerton, Kogan Creek und Laverton North erhalten. Die Firma Hochtief ist über ihre Beteiligungen an Leigthon Holdings Ltd. und Thiess Pty. Ltd an mehreren wichtigen Infrastrukturprojekten in Australien beteiligt. Über 1 Mio. EU-Bürger reisen jährlich nach Australien, während 600.000 Australier EU-Staaten besuchen.


Auf alle Fälle bleibt die Entwicklung der australischen Wirtschaft ein hochinteressantes Problemfeld in den Zeiten der zunehmenden Globalisierung. So wie niemand erwartet hatte, dass sich Australien aus dem Tief der 90ziger Jahr zur wirtschaftlichen Weltmacht empor schwang, so rechnen jetzt nur wenige Australier, dass es wieder schlimmer werden könnten. Eine Denkweise, die uns Deutschen gut bekannt sein dürfte. Und außerdem bewirkt die ständige Sonne bei den Aussies sowieso eine positive Denkhaltung. Immer wieder hören wir, wie von einem Bibelforscher, Reden über den Siebenjahresrhythmus im australischen Leben. Und man müsste eben nur die schlechten sieben Jahre überstehen, dann wird alles wieder besser.

Glücklicherweise wird diese „No worries“ Haltung nicht von den Politikern um Howard geteilt. Die Analysten rechneten schon ab 2005 mit einer beginnenden Abschwächung des Wirtschaftwachstums und einer steigenden Inflationsrate. Warten wir ab, ob der AUD im Verhältnis zum Euro in 2006 schwächer wird. Ob ein Wechselkurs von 1 Euro zu 1,70 AUD wieder eintritt.

Die OECD (Organisation for Economic Co-operation and Development) ist eine internationale Organisation, in der Länder gemeinsame Entscheidungen treffen, selbst aber dabei absolut souverän bleiben. In Deutschland wird als "Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung" bezeichnet.

Der OECD Indikator für Australien zeigt, dass die Wirtschaft den zyklischen Höhepunkt bereits überschritten hat. Mit der Folge, das sich das Wirtschaftswachstum verlangsamen. Und in dieser Situation kommt schon wieder ein Glücksfall. Nämlich der 2006 geschlossene Liefervertrag für Natur- Uran an China. Wenn er 2010 in Kraft tritt, könnte gerade wieder ein Engpass beim BIP so kompensiert werden. Dafür riskiert man sogar eine latente Trübung der australisch- amerikanischen Freundschaft. Mit den Umweltschützern wird die Regierung allemal fertig. Uran gibt es genug. Die drei internationalen Konzerne, denen die Uranbergwerke gehören, würden sofort einer Abbausteigerung zustimmen. Aber mittlerweile stellt die Labour Party in alle Bundesländer Australiens die Regierung. Und am Uran könnte die erneute Wiederwahl von Howard scheitern.

Was ist Ende 2006 dann auch geschehen ist. Der PM Howard scheiterte nicht nur am Uran, auch an zahlreichen unpopulären Maßnahmen, die zwar Australien und seiner Wirtschaft nützten, bei der Bevölkerung jedoch eine regelrechte Howard Verdrossenheit erzeugten. Der neue Premierminister Kevin Rudd, von der Labour Party soll nun alles besser richten. Nur was will er besser machen? Klimaprotokoll unterschreiben? Hat er getan. Soldaten aus dem Irak zurück holen? Soll 2008 geschehen. Und wirtschaftlich?

Mögen die Aussies noch so schlecht über John Howard reden. Mir imponierte der Mann. Ein Realpolitiker, der im Gegensatz zu den deutschen Regierungsmitgliedern mit Taten glänzt. Und er hat es nicht verdient, dass ihn sein Wahlkreis nicht mal mehr als Parlamentsmitglied wählte.

Immerhin wuchs die australische Wirtschaft zwischen 1998 bis 2006 jährlich um rund 3,7%. In den letzten 15 Jahren wurde Australien vier Mal als stabilste Volkswirtschaft der Welt eingestuft. Und die Nettostaatsverschuldung von 0,6% des Bruttoinlandproduktes (BIP) ist für Deutschland (61,4% des BIP) wohl noch für Jahre Utopie.

Und es gibt noch weitere Vorteile für die Zukunft Australiens.

Da wäre das 2004 ratifizierte Freihandelsabkommen mit den USA, der Basisvertrag vom 2006 (Year of Exchange) mit Japan, die intensiven Kontakte zu Indonesien nach der Tsunami Hilfe, der Ausbau der bilateralen Beziehungen zu China und die engagierte Unterstützung des Friedensprozesse in Papua Neuguinea, wo unter anderem besonders nach der Gewährung einer umfangreichen Entwicklungshilfe (good governance) eine deutliche Steigerung australischer Investitionen in die Erdöl-, Ergas- und Edelmetallförderung folgte. Scheinbar schlechte Voraussetzungen für den Labour Gegenkandidaten Kevin Rudd, der sich nicht auf das Glatteis der wirtschaftlichen Polemik begab, sondern den Wahlkampf mit der Kritik an der schlechten Außenpolitik (Irak- und Afghanistaneinsatz) begonnen hat. Außerdem will er das seit 2006 bestehende neue Arbeitsrechtgesetz wieder abschaffen. Aber er hatte damit Erfolg!

Solche Gesprächsthemen bieten sich auf den oft schier endlosen Geraden des australischen Outbacks an. Und es ist gut, das vor Ort zu tun, wo man sich mit den nötigen Informationen problemlos versorgen kann.

Neben der auch durch diesen John Howard mit geschaffenen wirtschaftlichen IST- Situation gibt es aber noch einen weiteren Vorteil für die Zukunft Australiens. Die demographisch günstige Situation des Landes!

(Bearbeitet und geändert am 29. Januar 2008)

APEC Gipfel 2007 in Sydney

APEC Australia 2007 leaders.jpg

Ziel der Zukunft: eine Freihandelszone für die Region

Der APEC Gipfel hat Sydney fest im Griff. Straßensperren und Heerscharen an Polizisten machen einen sorglosen Spaziergang durch die Innenstadt dieser Tage unmöglich. Die Asian Pacific Economic Cooperation, kurz APEC, mag die australische Wirtschaft an diesem langen Wochenende vom 7. bis zum 9. August hemmen - von Millionenverlusten ist schon jetzt die Rede - doch insgesamt ist die APEC ein wirtschaftlich wichtiger Verbund für die gesamte Region. Außenminister Alexander Downer sprach vor dem Verband der Auslandskorrespondenten am Dienstag von dem enormen wirtschaftlichen Gewinn für die APEC-Staaten seit ihrem Zusammenschluss 1989. "Das Thema Armut hat sich in den vergangenen Jahren in der Region halbiert und das Einkommen der Menschen hat sich verdreifacht." Als besonders positives Beispiel führte er die Erfolge Vietnams an, das sich durch seinen APEC-Beitritt der Marktwirtschaft geöffnet habe und dessen Bruttoinlandsprodukt jährliche Zuwachsraten von siebeneinhalb bis neun Prozent habe. Downer plädierte für eine Freihandelszone in der Region und erklärte dies zu einem der kurzfristigen Zielsetzungen APECs. "APEC soll es Geschäftsleuten außerdem erleichtern, Geschäfte in der Region zu tätigen." Dafür habe man bereits Transaktionsgebühren zwischen den Staaten gesenkt und eine APEC Business Travel Card eingeführt, die Zollabfertigungen vereinfache und mehrmaliges Ein- und Ausreisen in 17 der 21 APEC Staaten ermögliche. Zu den momentanen APEC Mitgliedern gehören Australien, Brunei, Kanada, Chile, Volksrepublik China, Hongkong, Indonesien, Japan, Südkorea, Malaysia, Mexiko, Neuseeland, Papua-Neuguinea, Peru, die Philippinen, Russland, Singapur, Taiwan, Thailand, die USA und Vietnam.

Counting Down: APEC Australia 2007


Downer sprach sich besonders dafür aus, Indien als einen der Anwärter in den APEC-Verbund beitreten zu lassen, "obwohl es dafür noch keinen Consensus gebe." Im Bezug auf Indien stellte sich Downer auch hinter den umstrittenen Regierungsbeschluss, Uran an das Land zu liefern. Atomkraft sei eine CO2 freie Energielösung und damit ideal für Länder wie China und Indien. "Mir ist es außerdem lieber, wenn diese Länder Uran von einem Land wie uns kaufen, das strenge Reglementierungen hat," sagte Downer weiter.

Neben wirtschaftlichen Themen will Gastgeber Downer auch Anti-Terror-Gesetzgebung, Energiethemen und Klimawandel während des Gipfels besprechen. Beim Klimawandel soll der Fokus auch auf ärmere Länder gelegt werden, zum Beispiel werde man Indonesien drängen, seine Abholzung der Wälder einzustellen. Welchen Beitrag Australien selbst zur Verringerung der CO2-Emmissionen leisten möchte, blieb unklar, auch wenn Downer wiederholt die Saubere-Kohle-Technologien des Landes herausstellte. Der fünfte Kontinent ist mit seinen nur 21 Millionen Einwohnern immerhin für 1,5 Prozent der weltweiten Emmissionen verantwortlich

(Quelle: Infobahn Australia)


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