Jabiluka Uranmine

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Jabiluka Uranmine verhindern, Kakadu-Nationalpark erhalten!

Daniela Sailer 01. Oktober 2001 pogrom 201 / 1998. Aktualisiert im Oktober 2001

Nach einer Meinungsumfrage von Ende Juni 1998 waren 67 Prozent aller Australier gegen den geplanten Uranabbau in Jabiluka. Dieses Gebiet liegt inmitten des von der Unesco als "Kulturerbe der Menschheit" geschützten Kakadu-Nationalparks im australischen Bundesstaat Nordterritorium (Northern Territory). Seit 16 Jahren kämpfen die Mirrar-Aborigines gegen die Uranmine. Vom Northern Land Council (NLC), der im Juli 1982 den Pachtvertrag mit der Bergbaufirma Pancontinental besiegelt hatte, fühlen sie sich betrogen. Denn sie hatten den NLC nicht zur Unterschrift bevollmächtigt. Per Gesetz erhielten sie zwar ihre Landrechte zurück, jedoch mit der Auflage, dass sie dem Pachtvertrag für den Uranabbau zustimmen sollten. 1983 wurde das Jabiluka-Projekt von der neu gewählten Labour Regierung auf Eis gelegt. Zu groß waren die Umweltrisiken, die bereits durch die seit 1980 arbeitende Ranger-Uranmine deutlich geworden waren. Beide Gebiete, die nur 20 Kilometer voneinander entfernt sind, liegen in einem Hochwassergebiet, das jedes Jahr während der Regenzeit sechs Monate überflutet wird. Dann laufen die Abraumbecken der Ranger-Mine über und verseuchen mit radioaktivem Schlamm die Flussläufe der Umgebung.



Gebiet der Jabiluka Uranmine


Der radioaktive Müll soll auch bei der Jabiluka-Mine oberirdisch gelagert werden. Die Mine selbst ist mittlerweile als Untertagebau geplant. Das aber erhöht die Gesundheitsrisiken durch Verstrahlung für die Bergleute. Das Vorkommen wird auf 212.400 Tonnen Uran und 12 Tonnen Gold veranschlagt. Bei einer jährlichen Fördermenge von 9.000 Tonnen Erz soll sie innerhalb von ca. 25 Jahren ausgeschöpft sein. 1991 verkaufte die Pancontinental ihre Bergbaulizenz für 125 Millionen Dollar an die Energy Resources of Australia (ERA), die heute die Inbetriebnahme der Mine energisch vorantreibt. Seit die konservative Regierung Howard im März 1996 ins Amt kam, hat die Atomwirtschaft wieder eine Lobby. Denn die Regierung stellt die Profite des Uranexports über die Ureinwohnerrechte und den Umweltschutz. ERA und NLC nahmen zwar Verhandlungen über eine Neuformulierung der Abbaubedingungen auf. Denn die Umweltrichtlinien wurden im Laufe der Jahre verschärft. Aber schon im Juni 1998, vor dem endgültigen Abschluss des Genehmigungsverfahrens, wurde mit den Bauarbeiten für die Infrastruktur der Jabiluka-Mine begonnen.

Die "Schwestermine" Ranger Uranium Mine
Blick vom Ubirr Rock nach Osten Richtung Arnhem Land
Felsmalerei am Ubirr Rock

Die Mirrar-Aborigines sind gegen jeglichen Uranabbau, egal zu welchen Bedingungen. Mit Unterstützung einer Vielzahl von Umweltschutz- und Anti-Atom-Gruppen haben sie in Australien ein Netzwerk aufgebaut, das via Internet weltweit seine Fäden spannt. Ende September, kurz vor den Regierungswahlen vom Oktober 1998, appellierte Don Henry, führender Vertreter des australischen Umweltverbandes ACF, an Umweltminister Hill, doch lieber den Kakadu-Nationalpark zu schützen als den Uranabbau in Jabiluka. Hill dagegen berief sich auf die enormen Kosten, die aus einer Stilllegung der Jabiluka-Mine durch Entschädigungszahlungen entstünden. Im Oktober untersuchte dann eine Delegation der Unesco, ob der Kakadu-Nationalpark auf die Liste der "gefährdeten Objekte" des Kulturerbes der Menschheit gesetzt werden müsse. Schon jetzt ist er eines von nur 17 Schutzgebieten, die sowohl wegen ihres kulturellen als auch wegen ihres ökologischen Wertes diesen Status erhalten haben. Der Bericht der Delegation erkannte erhebliche Gefahren für den Nationalpark und empfahl der Regierung, auf die Jabiluka-Mine zu verzichten. Im Dezember 1998 mochte das Welterbe-Büro unter Vorsitz des Japaners Koichiro Matsuura den Kakadu-Nationalpark zwar noch nicht auf die Liste der gefährdeten Objekte setzen, beschloss aber, den Fall weiter zu beobachten.

Befürworter der Mine wenden ein, Jabiluka liege zwar wie eine Insel innerhalb des Nationalparks, gehöre aber formal nicht dazu. Dennoch bleibt es Teil des Ökosystems des Parks. Jede von einer Uranmine verursachte Verseuchung würde sich zwangsläufig auf das gesamte 200.000 Quadratkilometer große Schutzgebiet auswirken, das ein Drittel aller australischen Vogelarten beherbergt und mit seinen Feuchtgebieten mehreren Millionen Vögeln während Dürrezeiten Zuflucht gewährt. Seit Tausenden von Jahren bewohnen die Mirrar Aborigines dieses Land. Von ihrer Geschichte zeugen zum Beispiel mehr als 20.000 Jahre alte Felsmalereien am Ubirr Rock. Für die Mirrar ist die Natur beseelt. Etwa 5.000 ihrer heiligen Stätten liegen innerhalb des Parks. Der Uranbergbau würde sie entweihen und zerstören. Die grundlegenden spirituellen, politischen und sozialen Strukturen der Aborigines wären in Gefahr und damit ihre gesamte Existenz.

Deshalb geben die Mirrar nicht auf. Mit Blockadeaktionen versuchen sie immer wieder, die Bauarbeiten zu behindern. Für sie bleibt das Projektgebiet ihr Land, um das sie durch Betrug gebracht wurden. Daher nannte Yvonne Margarula, die für den Gundjemi Aboriginal Council der Mirrar im November 1998 in Salzburg den Nuclear Free Future Award erhielt, es schlicht "verrückt", als sie von einem Gericht in Darwin im September 1998 wegen "unbefugten Betretens" für schuldig befunden wurde. Sie hatte am 19. Mai mit drei weiteren Gegnern auf dem Projektgelände einen Container der ERA besetzt und mit dem Slogan "Unterstützt die Rechte der Aborigines" bemalt.

Das Jabiluka-Uran ist ausschließlich für den Export bestimmt. Deshalb sind die Mirrar auch außerhalb Australiens aktiv, um zu erreichen, dass möglichst viele Staaten einen Importstopp für australisches Uran verhängen. Das Europäische Parlament hat sich bereits im Januar 1998 mit einer dringenden Resolution an die australische Bundesregierung gegen den Uranabbau und für die Rechte der Aborigines ausgesprochen. Es sei ein Fehler zu glauben, die Mine sei nicht mehr zu verhindern, meint auch Don Henry von der ACF. Am 5. Oktober gab die Organisation bekannt, dass sie gemeinsam mit den Grünen und den Demokraten eine Untersuchungskommission des Senats zu Jabiluka durchsetzen will.

Update vom 22.10.2001

Im Juli 2000 übernahm der Großkonzern Rio Tinto, die weltgrößte Bergbaugesellschaft, Australiens North Mining Ltd. Damit erwarb sie gleichzeitig 68 Prozent von Energy Resources of Australia (ERA), der die Ranger Uran Mine und die Jabiluka Mine gehört. North Mining stellte Jabiluka zwar betriebsfertig, aber der Uranabbau hat noch nicht begonnen. Die Ranger Mine versorgt Kraftwerke in Großbritannien, Jabilukas Uran ist ebenfalls für Großbritannien gedacht.

Die Öffnung Jabilukas wäre ein Desaster für den Konzern Rio Tinto, der seit fünf Jahren versucht, sein öffentliches Image zu verbessern. Dieses war durch verschiedene Projekte in der Vergangenheit schwer beschädigt worden; zum Beispiel durch die Betreibung einer Uranmine in Namibia zusammen mit der Regierung von Südafrika, um das Britische Nuklear Waffen Programm zu beliefern. Inzwischen – so betont Rio Tinto – sei der Uranabbau nicht mehr das Herzstück der Firma, was vermutlich auch mit den auf einem absoluten Tiefstand befindlichen Weltmarktpreisen für Uran zu tun hat. Der Konzern versuchte bislang vergeblich einen Käufer für die beiden Minen zu finden (beispielsweise war der französische Nukleargigant Cogema im Gespräch). Es kam deshalb zu keiner Entscheidung, was die weitere Nutzung der Mine betraf.

Die NGO Friends of the Earth (FOE) forderte daraufhin, dass Rio Tinto in einer großzügigen Geste die Minen schließt bzw. an die Mirrar zurückgibt. Der Konzern könne es sich schließlich leisten, da der Gewinn im Jahr 2000 US$ 2,5 Mrd. betrug, 25% mehr als im Vorjahr. Außerdem sei das Land den Aborigines in ungerechter Weise entrissen worden und darüber hinaus Weltkulturerbe. Die weitere Betreibung bzw. Inbetriebnahme der Minen widerspräche auch den Aussagen Rio Tintos, die Umwelt und eine nachhaltige Entwicklung zu respektieren. Durch die Ranger Mine sind bereits große Umweltschäden entstanden, denn es gab insgesamt 120 Verstöße gegen die Betreiberauflagen.

Der Bericht der Untersuchungskommission des australischen Senats vom Jahresende 2000 kritisierte die Regierung, da keine Studie über die sozialen Auswirkungen des Uranabbaus auf die Mirrar durchgeführt worden war. Außerdem seien die Umstände des Minenabkommens über die Jabiluka Mine von 1982 zutiefst unfair, weil die Mirrar falsch über ihre Rechte informiert worden seien. Deshalb solle das Projekt eingestellt werden. Die Regierung widersprach und teilte mit, dass die Arbeit fortgesetzt werden könne.

Im März 2001 kam es zu Demonstrationen gegen den Uranabbau vor dem Hauptsitz von Rio Tinto in Melbourne. Daraufhin sagte der Präsident des Konzerns, dass die Inbetriebnahme von Jabiluka wegen des niedrigen Uranpreises und der Opposition insbesondere der Mirrar momentan nicht unterstützt werden könne. ERA ist dagegen immer noch an dem Jabiluka Projekt interessiert und hat keine Eile, da die Ranger Mine noch ein Jahrzehnt ausgebeutet werden kann.

Deswegen baten die Mirrar Rio Tinto in einem Aufruf eindringlich, das Jabiluka Uran Minen Projekt endgültig und verbindlich aufzugeben. Auf der Jahreshauptversammlung des Konzerns im April 2001 wurde von der Firmenleitung wiederholt, dass Jabiluka wirtschaftlich unattraktiv und es deshalb unwahrscheinlich sei, dass die Mine in Betrieb gehen würde. Außerdem müsste zuerst eine Einigung zwischen dem Northern Land Council und den Ureinwohnern gefunden werden.

Obwohl diese Feststellung immerhin eine wichtige Verschnaufpause bringt, ist den Mirrar das zu wenig und zu unsicher. Sie wollen eine unbegrenzte Garantie, dass Jabiluka niemals verkauft oder weiterentwickelt wird.


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