Eine australische Aboriginal Legende

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Die Schöpfungsgeschichte?

Sternenhimmer mit Kreuz des Südens

Und wieder ging Baiame, wie Gottvater, über die Erde, die er geschaffen hatte, zwischen den Pflanzen und den Tieren und schuf Mann und Frau, um auch über sie herrschen zu können. Er machte sie aus dem Staub der Gebirgskämme und sagte zu ihnen „Es gibt Pflanzen, die dürft ihr essen. So wie diese und diese. Aber niemals Lebewesen, die ich geschaffen habe!“ Und er gab ihnen einen guten Platz zum Leben, Dann reiste der Allvater wieder ab.

Dem ersten Mann und seiner Frau wurden Kinder geboren, die auch wieder Kinder bekamen. Und sie genossen die Ergebnisse der Schöpfungen aus den Händen Baiame. Seine Welt fing an, sich zu bevölkern. Und die Männer und Frauen priesen Baiame, dass er ihnen all das zur Verfügung stellte, was sie zum Leben brauchten. Sonne und Regen sorgten für das Wachstum der Pflanzen, die ihren Lebensunterhalt sicherten.

Alles war gut in der Welt, die sie vom freigiebigen Schöpfer empfangen hatten, bis ein Jahr kam, in dem der Regen nicht mehr fiel. Es gab wenig Wasser. Die Blumen verwelkten, die Bäume konnten keine Früchte tragen, die Blätter fielen von den trockenen, verwelkten Stämmen. Der Hunger kam ins Land. Das war eine völlig neue und schreckliche Erfahrung für Männer, Frauen und die kleine Kinder. Nie hatte es bisher an Nahrung oder Getränken gemangelt. In tiefster Verzweiflung tötete ein Mann einige der verbotenen Tiere. Und er teilte die Kängururatten, die er getötet hatte, mit seiner Frau. Sie boten sogar etwas von dem Fleisch einem ihrer Freunde an. Der aber lehnte ab und erinnerte an das Verbot von Baiame. Das war ein Mann, der vor Hunger schwer krank war. Vergebens versuchten sie den Freund zu überzeugen, etwas zu essen. Doch dieser blieb standhaft in seiner Ablehnung. Und als er ihre eindringlichen Appelle satt hatte, drehte er sich mit schwankenden Füßen von der Essenversuchung weg und ging fort. Schultern zuckend kehrten der Ehemann und die Frau wieder zu der Mahlzeit zurück und aßen sich satt.

Dann aber dachten sie wieder an ihren Freund und waren neugierig, ob sie ihn nicht doch noch vom Essen überzeugen könnten, Mit den Resten ihres Mahls folgten sie seiner Spur. Und der Weg führte sie über eine große Ebene zu einem Fluss, dort verschwand die Spur. Und sie wunderten sich, wie er diesen Fluss hätte überqueren können. Zumal sie selbst keine Möglichkeit sahen, es ebenfalls zu tun. Denn trotz der großen Dürre floss das Wasser viel zu schnell, um da hinüber zu Waten oder zu Schwimmen. Dann aber konnten sie ihn sehen. Er lag auf der anderen Seite des Flusses am Fuß eines großen Gum Tree.

Schon wollten sie wieder zurück gehen, als sie ein kohlenschwarzes Wesen, halb Mensch und halb Untier, sahen, das sich von den Zweigen das Baumes herabfallen ließ und sich über ihren dort liegende Freund beugte. Sie schrieen eine Warnung über den Fluss. Aber die Entfernung war zu groß. Er konnte sie nicht hören. Selbst wenn er wach gewesen wäre. Das schwarze Monster hob den trägen Körper auf, trug ihn nach oben in das Geäst des Baumes und verschwand. Die einzige Erklärung, die sie hatten, war, der Baumstamm müsse hohl sein. Und sie vermuteten dass das Monster den leblosen Freund mit in seien Behausung genommen habe.

Mit verwirrender Geschwindigkeit folgte nun ein Ereignis dem nächsten. Eine Rauchwolke blähte sich aus und über den Baum. Dann hörten die beiden erschrockenen Beobachter einen herzerweichenden zerreißenden Ton, während der Baum sich mit seine Wurzeln vom Boden abhob. Die Wurzeln rissen dabei eine nach der anderen ab. Der Baum stieg in die Höhe, schwebte zum Fluss, dessen Wasser anstieg und den Baum nach Süden mitnahm. Als er an ihnen vorbei kam sahen sie für einen kurzen Augenblick zwei große, glänzende Augen innerhalb seines Schattens und zwei weiße Cockatoos, die wild mit den Flügeln schlugen, um zu versuchen, den nunmehr fliegenden Baum wieder in den Schutz seines Standplatzes zu bringen.

Innerhalb von Minuten waren der Baum, die Cockatoos und die glänzenden Augen nur noch ein kleiner Fleck, weit zum Süden. Und hoch über ihren Köpfen.

Zum ersten Mal seit der Schöpfung war der Tod zu einem der Männer gekommen, die Baiame hergestellt hatte. Denn das Monster innerhalb des Baumstammes war Yowee, der Geist des Todes.

In der Trostlosigkeit der von Dürre betroffenen Welt beklagten nun alle Lebewesen, dass ein einst lebendiger Mann jetzt so tot wie die Kängururatten war. Wie Kängururatten, die wegen der Nahrung getötet wurden.

Die eigentliche Absicht Baiames für die Männer und die Tiere, die er liebte, war so vereitelt worden. „Die Sumpfeiche haben unablässig geseufzt, die Gummibäume vergossen Tränen von Blut, das zu rotem Gummi kristallisierte“ schrieb Roland Robinson in der Erzählung dieser Legende des Kamilroi Stammes in seinem Buch „Wandjina“. „Seit diesem Tag“, führt weiter aus, „wird bei den Stämmen dieses Gebietes das Kreuz des Südens nur noch „Yaraandoo“, der Platz des weißen Gummibaums, genannt. Und in den Pointer (das sind die beiden hinten stehenden Sterne im Sternbild großer Bär, die auf den Polarstern weisen) sehen die Ureinwohner die weißen Cockatoos, die„Mouyi“.

Das war das traurige Ende der Hoffnungen einer Welt, die noch im Entstehen war. Aber das helle Kreuz des Südens ist ein Zeichen für die Menschen, dass es einen Platz für sie in den grenzenlosen Regionen des Raumes gibt. Im Haus des Allvaters selbst. Und das es nach dem Tod eine neue Schöpfung geben wird.


Natürlich gab es bei dem Aborinal People keinen Gottvater und auch keinen Allgott. Wer den Namen aufgebracht hat, und wer Baiame wirklich war, das erfahrt ihr in einer der nächsten Geschichten.


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Wir danken für die freundliche Unterstützung von Herrn Dr. Dieter Tischendorf, der uns das Textmaterial zur Veröffentlichung hier im Australienwiki zur Verfügung gestellt hat. Eine kleine Übersicht vieler seiner Bücher ist in unserer Linksammlung zu sehen.

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Special thanks for the friendly assistance of Mr. Dr. Dieter Tischendorf making this information with his textdocuments available. A small list of many of his books is availavle in our link-collection.


Weiterführende Literatur

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